Samstag, 16. Dezember 2017

Hangover 3


Stu, Phil und Alan
© Warner Brothers/Legendary Pictures
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2009 feierte Todd Phillips eine Junggesellenparty, wie es sie noch nie gegeben hat, und er lud alle Welt ein, sich mit den Jungs anzufreunden, die inzwischen allseits als „Wolfsrudel“ bekannt sind. 2011 erhöhte er den Einsatz, um zu demonstrieren, wie weit er sie unter Druck setzen konnte, ohne dass sie völlig durchdrehten.

Durch die teuflisch simple Frage „Was kann schon schief gehen?“ und die Antwort darauf wurden nicht nur alle Grenzen des guten Geschmacks hinweggefegt, sondern auch Kassenrekorde gebrochen, indem sich Millionen Zuschauer rund um den Globus köstlich amüsierten. So war ein neues, leider unauslöschliches Phänomen der Popkultur geboren.

Mr. Chows völlig geistesgestörte Sprüche werden nach wie vor von Leuten zitiert, denen man es nie zutrauen würde, und Fans von Baltimore bis Bosnien erscheinen täglich an der Rezeption des Caesars Palace in Las Vegas und lachen sich schlapp, wenn sie „die Hangover-Suite“ verlangen oder Alans flachhirnige Frage wiederholen: „Ist das der echte Palast von Caesar?“

Zwei Jahre sind vergangen. Phil, Stu und Doug genießen daheim ihr beschauliches Leben. Die Tattoos sind entfernt, die Videos gelöscht. Als die Jungs zuletzt vom Katastrophenmagnet Leslie Chow gehört haben, saß er in einem thailändischen Gefängnis. Seit er ihnen nicht mehr in die Quere kommt, haben sich die Jungs vom K.O.-Tropfen-Nebel auf dem Streifzug durch die finstersten Viertel von Las Vegas und auch von der Entführung und der bleihaltigen Flucht vor dem Drogendealersyndikat quer durch Bangkok recht gut erholt.

Nur ein Mitglied des Wolfsrudels ist nach wie vor unzufrieden: Das schwarze Schaf Alan hat immer noch kein Ziel vor Augen. Er pfeift auf seine regelmäßige Dosis Medikamente und lässt seinen Impulsen freien Lauf, was bei Alan nur bedeuten kann, dass er wider besseres Wissen total ausflippt, bis ihn eine persönliche Krise schließlich doch dazu bringt, die Hilfe zu akzeptieren, auf die er dringend angewiesen ist. Und damit Alan den ersten Schritt zur Besserung auch wirklich vollzieht, braucht er die Unterstützung seiner drei besten Freunde.

Dieses Mal gibt es keinen Junggesellenabschied. Keine Hochzeit. Was soll also schiefgehen? Eigentlich alles! Diesmal wird die Handlung des ersten Films fortgeführt, denn sie bekommen die volle Ladung von Chows Handlungen im ersten Teil zu spüren, als Black Dougs Boss Marshall auftaucht und Doug als Geisel nimmt, damit das übrig gebliebene Wolfsrudel Chow, und damit verbunden die von ihm gestohlene Hälfte von Marshalls Gold wiederbeschafft.

War die Handlung beim ersten Film noch sehr unterhaltsam und die Gags „abgefahren“, konnte man beim billigen 1:1-Abklatsch des zweiten Films nur noch wenig Neues entdecken. Jetzt wird der ganze Humor ad absurdum geführt. Hat man im ersten Film noch vehement gelacht, fragt man sich im Endstück der Trilogie, wie man über so etwas noch lachen kann. Chow nervt nach wie vor, die Gags zünden nicht bzw. bleibt einem das (erzwungene) Lachen im Hals stecken.

Gleich zu Beginn wird eine Giraffe von einer Brücke geköpft. Dann treibt Alan seinen Vater mit dessen Sorgen in den Tod durch Herzinfarkt und macht noch seltsame Witze bei dessen Beerdigung. Später erdrosselt Chow auch noch einen Kampfhahn mit einem Kissen. Dann werden Kampfhunde betäubt, was beim Einbruch in das Anwesen notwendig erscheint. Doch später erfahren wir, dass Chow die Hunde letztlich auch noch (unnötigerweise) getötet hat. Und schließlich machen sich die Filmemacher auch noch über Dyslexie lustig, die zwar Chow betrifft, aber dennoch unpassend erscheint.

Einziger Lichtblick ist die aufmunternde, wenn auch klischeehafte Begegnung Alans mit der Pfandverleiherin Cassie, gespielt von der ebenfalls korpulenten Melissa McCarthy - das lädt zum Schmunzeln ein, aber auch nicht mehr! Ein wenig witzig sind auch die Szenen zwischen Alan und Jades Baby aus dem ersten Teil, das mittlerweile ein paar Jahre älter geworden ist und nun ein kleiner blonder Junge ist, der sich knuffig mit Alan unterhält.

Erst am Ende, wenn alles vorüber zu sein scheint, erscheint im Abspann eine Szene, die lustiger erscheint als der ganze Film - nämlich eine Szene, wie wir sie vom Anfang der ersten beiden Filme her kennen. Ob das eine Anspielung auf einen vierten Teil sein soll? Ich hoffe doch nicht! Die Geschichte war schon nach dem ersten Film nicht mehr originell. Ich hoffe, dass den Film niemand sehen wird, doch die Neugierde siegt ja zumeist. So wird auch dieses geschmacklose Abenteuer wieder zahlreiche Flachnasen ins Kino ziehen, hauptsächlich wegen der Popularität von Bradley Cooper und Zach Galifianakis. ■ mz

28. Mai 2013
OT: The Hangover Part III
Komödie
USA 2013
100 min
FSK 12


mit

Bradley Cooper (Phil Wenneck) Tobias Kluckert
Ed Helms (Stu Price) Uwe Büschken
Zach Galifianakis (Alan Garner) Michael Iwannek
Justin Bartha (Doug Billings) Marcel Collé
Ken Jeong (Leslie Chow) Axel Malzacher
John Goodman (Marshall) Klaus Sonnenschein
Melissa McCarthy (Cassie) Anke Reitzenstein
Mike Epps (Black Doug) Dennis Schmidt-Foß
Jeffrey Tambor (Sid Garner) Helmut Gauß
Sasha Barrese (Tracy Garner) Ghadah Al-Akel
Heather Graham (Jade) Katrin Fröhlich
Jamie Chung (Lauren) Maria Koschny
Sondra Currie (Linda Garner) Liane Rudolph
u.a.

drehbuch
Todd Phillips
Craig Mazin
basierend auf den Figuren von Jon Lucas und Scott Moore

musik
Christophe Beck

kamera
Lawrence Sher

regie
Todd Phillips

produktion
Green Hat Films
Legendary Pictures

verleih
Warner Brothers

Kinostart: 30. Mai 2013