Samstag, 16. Dezember 2017

Der Große Gatsby


Nick Carraway, Jay Gatsby, Daisy Buchanan und Tom Buchanan
© Bazmark Film III Pty Limited
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Der Erzähler Nick Carraway beschreibt seinen Nachbarn, den undurchsichtigen und anscheinend korrupten, aber letztlich auf sozialen Aufstieg bedachten, charismatischen Jay Gatsby als einen Mann, „der die Verheißungen des Lebens besonders intensiv in sich aufnahm...außergewöhnlich hoffnungsvoll war..., wie ich das bei noch niemandem erlebt hatte und sicher auch nie wieder erleben werde“.

Die Geschichte dieses Gatsby verfasste Francis Scott Fitzgerald vor fast 100 Jahren, zwischen 1923 und 1924, auf Long Island, in New York und in St. Raphael, etwa 23 Kilometer außerhalb von Cannes. Seit dieser Zeit fasziniert der Roman die Leser in aller Welt.

1926 wurde der Stoff erstmals verfilmt - von Paramount als Stummfilm, was dem Stoff keinesfalls gerecht werden könnte. 1949 verfilmte selbige Firma den Roman mit Alan Ladd in der Titelrolle, Barry Sullivan als Tom Buchanan und Shelley Winters als Myrtle Wilson - offenbar in der damaligen Zeit moralisch ein wenig zurückhaltend inszeniert. 1974 nahm sich Francis Ford Coppola des Stoffes an und stellte Robert Redford, Mia Farrow, Bruce Dern, Karen Black und Sam Waterston vor die Kameras. Heraus kam zwar eine inhaltlich etwas vereinfachte Umsetzung, jedoch mit hervorragenden Kostümen.

Zur Jahrtausendwende versuchte sich John McLaughlin (Hitchcock, Parker, Black Swan) an einer TV-Adaption, in der sich mehr auf die illegalen Machenschaften Gatsbys konzentriert wurde. Die Titelrolle übernahm Toby Stephens (Vexed, Severance), Paul Rudd spielte den Erzähler Nick Carraway, Mira Sorvino Daisy und Martin Donovan Tom. Regie führte der auf Krimis spezialisierte TV-Regisseur Robert Markowitz.

Nun bekommt Fitzgeralds Meisterwerk eine gigantische Umsetzung: Baz Luhrmann, bekannt für seine episch angelegten Inszenierungen (Australia, Moulin Rouge, Romeo + Juliet), verleiht dem Werk neuen Glanz, gibt dem Inhalt prächtige, dreidimensionale Bilder und lässt die Figuren in ihren Momenten scheinen.

Der hoffnungsvolle Nachwuchsautor Nick Carraway kommt im Frühjahr 1922 aus dem Mittelwesten nach New York City, das von lockeren Moralvorstellungen, Jazz-Glamour, mächtigen Alkoholschmugglern und ins Astronomische steigenden Aktien geprägt wird.

Auf seiner Suche nach dem amerikanischen Traum wird Nick der Nachbar des geheimnisvollen, rauschende Feste feiernden Millionärs Jay Gatsby. Auf der anderen Seite der Bucht wohnt seine Cousine Daisy mit ihrem Mann, dem blaublütigen Frauenhelden Tom Buchanan. So erlebt Nick die faszinierende Welt der oberen Zehntausend und lernt ihre Illusionen, Romanzen und Täuschungsmanöver kennen.

Von außen und von innen beobachtet Nick diese Welt, die ihn zu der Geschichte einer unmöglichen Liebe, unzerstörbarer Träume und eines tragischen Autounfalls inspiriert – womit er auch uns, unserer Gegenwart und unseren aktuellen Problemen den Spiegel vorhält.

Luhrmanns Version/Vision des „großen Gatsbys“ beginnt in Schwarzweiß, als wenn man den Film von 1926 zu sehen bekommt. Allmählich wird das Bild klarer, schärfer, dann farbiger und schließlich schießt uns Luhrmann in eine grandiose 3D-Welt, die man bislang noch nicht gesehen hat! Der Film lebt von den dreidimensionalen Effekten! Er liebt Kamerafahrten - von oben nach unten, von hinten nach vorn...alles wirkt so echt, und auch wieder nicht.

Der Film ist quietschbunt, hell und mitreißend. Besonders in der ersten Hälfte des mit zweieinhalb Stunden doch recht langen Epos zeigt Luhrmann auf seine gewohnt exzessive Art die ausgelassene Dekadenz der Goldenen Zwanziger. Wie man es schon bei Moulin Rouge erlebt hat, bringt Luhrmann seine musikalischen Vorstellungen ebenfalls mit ein. Es sind neben den für die damalige Zeit üblichen Jazzklängen auch Dubstep und Rap zu hören - letzteres vermutlich eher deshalb, weil Jay Z als ausführender Produzent beteiligt ist.

»Wir möchten den Zuschauern vermitteln, wie es sich angefühlt hat, in den unglaublich modernen Zeiten damals zu leben, als die Welt geboren wurde, alle jung und schön und betrunken und verrückt und reich waren und das voll auslebten«, sagt Ko-Produzent Craig Pearce. »Wir wollten genau das Gefühl erzeugen, das wir hätten, wenn wir den prachtvollsten Nachtclub der Welt besuchen und den schnellsten Wagen aller Zeiten fahren würden. Schon gleich zu Beginn mussten wir entscheiden, welche Musik wir dabei verwenden wollten und wie diese Musik die Story präsentieren sollte.«

Dabei hielten sich die Filmemacher an Fitzgeralds eigene Vorgaben. Er selbst verwendete über 70 beliebte Songs in seinen Texten. In „Gatsby“ kommt der Top-Hit „Three O’Clock in the Morning“ von 1922 vor. Auch hier wurden zahlreiche moderne Hits neu interpretiert - ob „Back to black“, „Crazy in Love“, „Bang Bang (My Baby shot me down)“ oder „Love is the Drug“ - sie alle mischen sich mit den damaligen Hits „Let's misbehave“, „Ain't misbehavin'“, „St Louis Blues“ oder „Rhapsody in Blue“. Und wenn der Film mit dem Stück „Together“ von The xx ausklingt und die Credits sich äquivalent zum Beginn vom 3D zurück ins Schwarzweiß wandeln, kommt man nicht ohnehin, das Gesamtwerk als gelungen zu bezeichnen.

»Mich hat dieses Projekt richtig begeistert«, schwärmt Tobey Maguire. »Es bietet schöne und spektakuläre Bilder, aber auch solide Figuren.« Einige werden meinen, Maguires Darstellung wirke ein wenig blass, was allerdings wahr ist, doch letztlich zu seiner Figur gehört. Nick ist der Erzähler der Geschichte, der stille Beobachter und Mittelsmann in dieser tragischen Liebesgeschichte.

Alle anderen Figuren mussten erleuchten - so natürlich auch die umwerfend bezaubernde Carey Mulligan als Daisy - eine komplexe, durchaus nicht nur hohle Heldin. »Wenn Daisy etwas sagt, meint sie es ehrlich. Doch fünf Minuten später hat sie ihre Meinung vielleicht schon wieder geändert«, berichtet Mulligan. »Es scheint, als ob sie ihr eigenes Leben als Film erlebt, sie schaut sich selbst zu, was sie zu einer ziemlichen dünnen Persönlichkeit macht, wie sie für Frauen in ihrer Situation wahrscheinlich typisch ist. Umso interessanter war für mich diese Rolle.«

Nach seiner ekligen Plantagenbesitzerrolle in Django unchained kommt Leonardo DiCaprio die Rolle des Jay Gatsby recht gelegen. Auch wenn sein dick aufgetragenes Makeup diesmal aufdringlicher erscheint, bemühte sich DiCaprio, Gatsby besonders tiefschürfend und abgründig zu zeigen und damit der Romanfigur möglichst gerecht zu werden:

»Für mich als Schauspieler ist Gatsby eine unglaubliche Chance. Ich halte ihn eindeutig für eine Verkörperung des amerikanischen Traums, für die Wunschvorstellung, etwas aus sich zu machen. Und all das tut er aus Liebe zu einer Frau. Aber auch darüber könnte man streiten: Ist Daisy nur die Verkörperung seiner Träume? Oder liebt er diese Frau wirklich? Ich halte ihn für einen hoffnungslosen Romantiker, aber er ist auch eine innen völlig hohle Persönlichkeit auf der Suche nach etwas, was diese Leere ausfüllt.«

Baz Luhrmann berichtet von einer Sternstunde dieses Projekts, als er sich mit Pearce gerade in der Suite des Ace Hotels eingerichtet hatte. Viele der Gebäude in diesem Viertel sind in Fitzgeralds Zeit entstanden. »Dort gab es ein Erkerfenster mit Blick auf New York. Leonardo setzte sich an das Fenster, und in diesem Moment spielte tatsächlich irgendwo jemand Trompete - wie in einem Text von Fitzgerald«, erinnert er sich.

»Leonardo las seine Dialoge vor, Tobey stimmte mit ein, und dann ging die Sonne unter, als Tobey Nicks letzten Satz vorlas: „So machen wir weiter und werden unablässig in die Vergangenheit zurückgetragen.“ Ich weiß noch, dass Leonardo applaudierte, und ich applaudierte, und schon befanden wir uns auf dieser Reise zu Fitzgerald und in seine Geschichte, seine Ära, seine Orte – und zu uns selbst.«

Obwohl die Recherchen und das Schreiben des Drehbuchs vorwiegend in New York stattfanden (darunter etliche Ausflüge zu den imposanten Villen auf Long Island), filmte das Team überwiegend in den Fox Studios im australischen Sydney. »Wenn man einem New Yorker erzählt, dass der Film in Australien entstanden ist, lacht der nur: „Soll das ein Witz sein? Ihr habt in Australien gedreht?“«, sagt Produzentin Catherine Knapman. »Natürlich hätte Baz den Film liebend gern in New York gedreht, doch es stellte sich heraus, dass der Dreh in Sydney die effizienteste Methode war.

Catherine Martin arbeitet beim Setbau am besten mit ihrem eigenen Team zusammen. Die Dreharbeiten in Australien brachten viele Vorteile mit sich, darunter großzügige Steuerermäßigungen der Landesregierung und der Provinz New South Wales. Außerdem gibt es in Australien eine Menge begabter Spezialisten. Wir verfügten über ein ungeheuer großes Team, mehr als 1000 Mitarbeiter und 960 Komparsen. An den „Party-Tagen“ bevölkerten fast 300 Statisten das Set.«

So kam das New York der 1920er-Jahre nach Sydney und wurde akribisch und detailgetreu nachgebaut – von den stattlichen Sets bis zum kleinsten Requisit. »Mich hat vor allem die Erzählstruktur dieser Sets überwältigt. Mir fielen viele Elemente auf, die in die Sets eingefügt wurden und entscheidend das authentische Gesamtbild abrunden. Da glaubt man gern, dass man sich wirklich in New York befindet«, berichtet Maguire.

Da hat er recht, der Gute. Auch wenn in manchen Einstellungen die CGI-Effekte ein wenig auffallen, verliert man sich dann doch in dem Ambiente und nimmt das alles als echt hin - von East Egg und West Egg über das Aschental bis hin zur Innenstadt. Das klingt ein wenig nach „Herr der Ringe“, wurde aber in der Tat so genannt. »East Egg und West Egg unterschieden sich völlig«, sagt Luhrmann. »East Egg war eine Gemeinde, wo das blaue Blut und das alte Geld zu Hause waren, denen die Welt zu Füßen lag. Die West Eggers haben es genau darauf abgesehen. Sie sind der Pöbel, die Neureichen, die plötzlich über viel Geld verfügen. Die Konfrontation dieser beiden Welten tritt im Verlauf der Geschichte immer wieder zutage.«

»Der Große Gatsby ist eine unterhaltsame moderne Geschichte«, sagt Luhrmann abschließend. »Es geht um eine fantastische Romanze, die Welt der Alkoholschmuggler, es geht um Protzen, um Geld, aber auch um Gewalt, Tod und Tragödien. Vor allem aber geht es um komplexe, differenzierte Figuren und tiefschürfende Gefühle, Leidenschaft und Liebe.« Das alles gibt es jetzt in 3D und „Baz-Sound-und-Vision“ im Kino zu erleben! Auch wenn sich Luhrmann in der ersten Hälfte ein wenig im Party-Ambiente verliert, so ist der Film doch eine recht gelungene Adaption von Fitzgeralds Literaturklassiker. ■ mz

15. Mai 2013
OT: The Great Gatsby
Drama
USA 2013
146 min
3D
FSK 12


mit

Leonardo DiCaprio (Jay Gatsby)
Carey Mulligan (Daisy Buchanan)
Joel Edgerton (Tom Buchanan)
Isla Fisher (Myrtle Wilson)
Tobey Maguire (Nick Carraway)
Elizabeth Debicki (Jordan Baker)
Amitabh Bachchan (Meyer Wolfsheim)
Steve Bisley (Dan Cody)
Jason Clarke (George Wilson)
u.a.

drehbuch
Baz Luhrmann
Craig Pearce
basierend auf dem Roman von F. Scott Fitzgerald

musik
Craig Armstrong

kamera
Simon Duggan

regie
Baz Luhrmann

produktion
Warner Bros. Pictures
Village Roadshow Pictures
A&E Television
Bazmark Films
Red Wagon Entertainment

verleih
Warner Brothers

Kinostart: 16. Mai 2013