Freitag, 15. Dezember 2017

Kiss the Coach


George fährt mit seinem neuen Wagen vor.
© splendid

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Die Halbwertzeit für Fußballprofis beträgt bekanntlich nur wenige Jahre. Das bekommt jetzt auch George Dryer zu spüren. George steht vor den Scherben seiner Existenz, zumal er deutlich zu spüren bekommt, dass ein europäischer Star in den USA auf Nachruhm nicht hoffen kann, denn dort ist Fußball ein Sport unter vielen.

Völlig abgebrannt landet George in dem kleinen Vorort McLean/Virginia, wo seine Ex Stacie mit seinem Sohn Lewis lebt, um den er sich in den letzten 9 Jahren kaum gekümmert hatte. Jetzt ist die Zeit gekommen, die Fehler der Vergangenheit wiedergutzumachen. Deshalb sucht George einen Job vor Ort.

Stacie sieht ein, welches Opfer diese Entscheidung für den ramponierten Gladiator bedeuten muss. Sie möchte George beim ersten Schritt in die richtige Richtung unterstützen und schlägt ihm vor, das Jugendliga-Fußballteam zu trainieren, in dem Lewis mitspielt.

Der Ball ist rund, der Rasen grün – wer hätte ahnen können, dass George trotz guten Willens so schnell wieder ausrutschen und in Abseitsfallen geraten könnte? Er selbst fällt jedenfalls aus allen Wolken, als er merkt, welche Reaktionen seine unübersehbar maskuline Präsenz in dem verträumten Nest auslöst. Denn die kleinen Spieler in seiner Mannschaft werden stets von ihren Müttern chauffiert, die sich während des Trainings bisher stets gelangweilt haben.

Die geschiedene Barb zum Beispiel braucht ständig die Bestätigung, dass sie immer noch attraktiv ist. Und die zur Hausfrau degradierte Powerlady Denise hat einst als Nachrichtenmoderatorin gearbeitet. Jetzt bietet sie an, George einen lukrativen Job als Sportmoderator zu verschaffen.

Selbst der reiche Mannschaftssponsor Carl King findet George auf seine Art attraktiv. Es gibt in McLean nicht viele VIPs, in deren Ruhm man sich sonnen könnte. Also ist George durchaus gut genug für Carl, der vor Kollegen mit seiner Freundschaft zum legendären Fußballstar angeben will. Sogar Carls Frau Patti, die ihren notorisch untreuen Mann in all den Jahren nie betrogen hat, wirft sich George nun an den Hals, weil dessen Sixpack nicht aus Bierdosen besteht, sondern aus harten Muskeln.

Auf dem Fußballplatz beherrscht George den Ball. Als Coach hat er seine Kids voll im Griff. Doch was jenseits der Auslinie gespielt wird, entwickelt sich derart chaotisch, dass George kaum Zeit für seinen Sohn Lewis findet! Während gelbe Karten leuchten, rote Karten drohen und die entfesselten Mütter auf den Rängen ihrerseits mit Schwalben bei George zu landen versuchen, bewacht Stacie unerbittlich den Strafraum. Denn wenn es um Punkte geht, dann zählt letztlich nur Lewis. Die Frage bleibt: Kann George sich in die Verlängerung retten?

Solch ein Film, der relativ nah am Leben spielt, kommt auch genau von dort. Jonathan Mostow hatte gerade den erfolgreichen Terminator 3 – Rebellion der Maschinen inszeniert, als er sich bereiterklärte, das Jugendliga-Baseball-Team seines Sohnes zu trainieren. Dabei lernte er den Drehbuchautor Robbie Fox kennen, der unter anderem Liebling, hältst du mal die Axt? geschrieben hatte und damals das Team trainierte.

Das ist jetzt fast 10 Jahre her, aber guter Stoff reift wie ein ebensolcher Wein. Drehbuchautor Fox dachte bei seiner Idee an das Vorbild Warren Beatty in dem 1975 entstandenen Shampoo: »Wenn dieser sehr attraktive Typ ein Baseballprofi wäre – was würde er in einer Horde gelangweilter Vorort-Eltern auslösen, die beim Spiel ihrer Kinder zuschauen? Wenn dieser Typ auftaucht, legen die Mütter Lippenstift auf und kommen in High Heels. Und die Väter bringen ihre Autogrammhefte und wollen sein Autogramm haben.«

Autor Fox entwickelte die Hauptfigur als Schotten, der zufällig ein ehemaliger Baseballspieler ist, um Gerard Butler die Rolle schmackhaft zu machen. Als das Skript fertig war, landete es auf dem Schreibtisch von Butlers Manager und Produktionspartner Alan Siegel: »Robbie Fox schreibt so lebendig, dass seine Figuren förmlich aus den Seiten springen. Sie sind sympathisch, wir fiebern mit ihnen, wir wünschen uns, dass sie Erfolg haben. Als ich das Skript las, dachte ich: ‚Mein Gott, da komme ich ja selbst vor, und meine Freunde auch!‘« Und er fügt hinzu: »Gerry habe ich sofort in dieser Rolle gesehen.«

Die Jahre vergingen, Mostow holte seinen Freund Kevin Misher mit seiner Produktionsfirma an Bord, aus Baseball wurde Fußball, weil man Angst hatte, den Film nur auf dem amerikanischen Markt loszuwerden, und schließlich fand man in Gabriele Muccino, der u.a. für Das Streben nach Glück und Sieben Leben verantwortlich zeichnete, einen geeigneten Regisseur, der die Balance zwischen Familiendrama und Komödie halten konnte.

Bei so vielen Produzenten, zu denen auch Gerard Butler selbst gehört, konnte es kaum Probleme geben, die nötigen weiblichen Schauspielerinnen zu finden. Welche Frau würde nicht gern ein schottisches Sixpack aufreißen? Natürlich wollten sie alle nur wegen Gabriele Muccino mit aufs Feld. Italienische Regisseure lassen eben auch die Frauenherzen höher schlagen.

Gerard Butler: »Viele dieser Kollegen sind Hauptrollen gewohnt, und dennoch waren sie bereit, sich ins Ensemble einzureihen, weil die Rollen einfach fantastisches Potenzial haben und Gabriele ein überragender Regisseur ist. Indem wir sie alle an Bord holten, ist uns ein echter Coup gelungen – wirklich die Crème de la Crème.«

Catherine Zeta-Jones lacht: »Ich finde es toll, wie sich all die verschiedenen Beziehungen, die der von Gerry gespielte George eingeht, entwickeln, ohne dass die anderen davon etwas mitbekommen. Jede Frau ist davon überzeugt, dass sie seine Einzige ist. Dabei kann keine der Fußball-Team-Mütter die Augen von ihm lassen.« Grinsend fügt sie hinzu: »Außerdem sollte sich jedermann diesen Film ansehen, um Gerry in kurzen Hosen zu bewundern.«

Ja, der Film hat ein gewisses Easy-Viewing-Potenzial. Daher ist der Film auch für Jeden freigegeben! Die Dramatik hält sich in Grenzen und geht hauptsächlich von Jessica Biel aus, die sich in ihrer ersten Mutterrolle bewährt. Schon fast eine Statistenrolle hat James Tupper als Stacies „Neuer“. Er darf nur mal kurz sein Territorium markieren und sonst lediglich Mimik austauschen.

Herrlich komisch dagegen Glee-Schuldirektor Iqbal Theba als wohlhabender Immigrant, der George in seinem Gästehaus wohnen lässt - was an einer Stelle im Film zu brüllender Verwechslung führt! Da könnte Dennis Quaid recht haben, dass der Film als Date Movie herhalten kann.

Gerard Butler stellt fest: »Dieser Film ist sehr komisch, mitreißend, und er geht uns zu Herzen, weil er uns wirklich dazu bringt, über das Leben nachzudenken. Wir erkennen Motive aus Shampoo und Tootsie in der besten romantischen Komödientradition. Der Film bietet sehr viel, und es gibt Gründe genug, ihn anzusehen – nicht zuletzt die Besetzung: Jessica Biel, Uma Thurman, Catherine Zeta-Jones, Judy Greer und Dennis Quaid

Nach einer Pause fügt er hinzu: »Und mich.« Nun ja, man muss den Film vermarkten, wie Mann nur kann! Dass man den Originaltitel (übs.: „es ernst meinen“) in Englisch „eingedeutscht“ hat, ist zwar nichts Neues, doch man kann nach wie vor dabei nur mit dem Kopf schütteln... Also, meine Damen: Küsst den Trainer! ■ mz

11. April 2013
OT: Playing for Keeps
Komödie/Drama
USA 2012
106 min
FSK 0

mit

Gerard Butler (George) Tobias Kluckert
Jessica Biel (Stacie) Gundi Eberhard
Noah Lomax (Lewis)
Dennis Quaid (Carl) Thomas Danneberg
Uma Thurman (Patti)
Catherine Zeta-Jones (Denise)
James Tupper (Matt)
Judy Greer (Barb)
Iqbal Theba (Param)
Jason George (Chip Johnston)
u.a.

drehbuch
Robbie Fox

musik
Andrea Guerra

kamera
Peter Menzies jr.

regie
Gabriele Muccino

produktion
Eclectic Pictures
Evil Twins
Millennium Films
Misher Films
Nu Image Films

verleih
splendid

Kinostart: 11. April 2013