Samstag, 16. Dezember 2017

Rendezvous in Belgrad


Der Frauenchor
© Film Kino Text

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Als die französische Sängerin Silvie in Belgrad aus dem Flugzeug steigt, ist gerade ihre private Welt untergegangen. Im Auftrag des Festivals, das Sylvie nach Belgrad eingeladen hat, soll Stefan die Musikerin vom Flughafen abholen und zu Interviews und zum Konzert fahren. Aber Sylvie denkt gar nicht daran ihren Verpflichtungen nach zu kommen, sondern will nur vergessen. Um seinen Job zu behalten muss Stefan Silvie irgendwie am Abend auf die Bühne bekommen.

Melita trifft sich regelmäßig mit dem Amerikaner Brian in einem Hotel, beide hoffen insgeheim mit dem anderen ein neues Leben anfangen zu können. An diesem Abend stellt sich heraus, dass die Pläne der beiden nicht miteinander vereinbar sind. Wird ihre Liebe stark genug sein, sie zusammen zu halten?

Der deutschtürkische Geschäftsmann Orhan hat sein Flugzeug verpasst. Eine Gruppe junger Leute lädt ihn auf ein Bier zu Djurdjas Junggesellinnen Abschied ein. Orhan geht mit, ohne zu ahnen, dass das Zimmermädchen Jagoda längst ein Auge auf ihn geworfen hat.

Am Tag ihrer Hochzeit beichtet der kroatische Polizist und Bräutigam Mato seiner Braut, der serbischen Polizistin Djurdja einen Fehltritt. Damit beginnt zur Überraschung der Hochzeitsgesellschaft eine wilde Verfolgungsjagd in Polizeiautos, auf der Mato seiner Djurdjina seine Liebe über Megaphon beteuern muss.

All dies Geschichten fügen sich zu einem merkwürdigen Kaleidoskop zusammen, das zwischendrin durch einen Frauen- und einen Männerchor zusammengekittet wird. Und wie es in einem Episodenfilm so ist, haben die einen oder anderen Personen der Handlung miteinander zu tun. Regisseur Bojan Vuletic, aus dessen Feder Liebe und andere Verbrechen und Lost and Found stammen, gibt mit diesem Film seinen Einstand als Regisseur:

Rendezvous in Belgrad ist eine urbane und musikalische Liebesgeschichte über Belgrader Bürger und die Ausländer die endlich wieder in unsere Stadt kommen. Von diesen Begegnungen versuche ich mit vier völlig unterschiedlichen Liebesgeschichten zu erzählen.

Da die Wertesysteme und Ansichten der Welt verschieden sind, sind die Zusammentreffen leidenschaftlich und tragikomisch zugleich. Ich zeichne ein geschöntes Bild von Belgrad, denn es macht große historische Veränderungen durch. Belgrad liegt zwischen zwei Epochen, das Alte ist noch nicht wirklich weg, und das Neue noch nicht wirklich verwurzelt. Es existiert ein Vakuum, eine „Übergangszeit“ in der in Belgrad Dinge passieren können, die in anderen organsierteren Städten nicht passieren können.

Nach 15 Jahren harter Isolierung versuchen sowohl Belgrad und ich, ein Comeback zu einem normalen europäischen Leben. Der Schlüssel für das könnte Liebe sein. Wenn ich heute das Leben in Belgrad beschreiben müsste in einem Wort, wäre das: Übertreiben.

Die Menschen übertreiben Essen und Trinken, Verehren und Hassen, Singen und Weinen, und versuchen zur gleichen Zeit, ein normales europäisches Leben zu führen. Das führt zu vielen Problemen, und meine Charaktere versuchen ihre Probleme, durch Liebe oder Sex oder beides zu lösen. Natürlich übertreiben sie es. Sie lernen, mit der gleichen Intensität zu lieben, wie sie schreien, singen, weinen, trinken, kämpfen, ein Auto oder ein Hotelzimmer demolieren, oder jemanden verlassen, um nie wieder zurückzukehren.

Ob der Versuch, mit diesem Liebesreigen die Stadt und das Land für Ausländer schmackhaft zu machen, geglückt ist, ist zweifelhaft. Es wird erläutert, dass Belgrad noch im Aufbau ist. Überall sind küssende Pärchen zu sehen. Es ist, als wenn der Frühling ausbricht. Mit Gewitter, Drama und Herzblut.

Da kann man der impulsiven Sylvie schon nachvollziehen, dass sie ihren Belgrad-Gig nur im Alkoholrausch ertragen kann. Dann ist da die obskure Geschichte mit Melita und Brian, die schon etwas weniger plausibel ist: Welcher Amerikaner würde freiwillig dort bleiben wollen? Ganz zu schweigen von der wohl für Besucher abstoßendsten Geschichte von Jagoda, die sich ihre Liebe ertrinken muss, indem sie einen Ausländer ausnimmt und in einer vernebelten Kneipe mit zünftiger Zigeunermusik unter den Tisch säuft! Dafür gibt es zum Schluss eine eher attraktive Konfrontationsgeschichte zwischen Djurdja und Mato...

Das ist alles recht unlustig, ein wenig komisch, aber dennoch meist unlustig. Und eher dramatisch. Mich hat der Film jedoch eher abgeschreckt, als dass ich den nächsten Urlaub dort verbringen wollen würde. Vielleicht hat der Regisseur auch ein wenig zu sehr übertrieben. Zwar ist die Idee mit den Chören recht witzig, doch den Film retten können die auch nicht. ■ mz

15. April 2013
OT: Praktican vodic kroz Beograd sa pevanjem i plakanjem
Drama/Komödie/Episodenfilm
SRB/F/D/H/CRO 2011
86 min
OmU
FSK 12

mit

Marko Janketic (Stefan)
Julie Gayet (Silvie)
Anita Manacic (Melita)
Jean-Marc Barr (Brian)
Nada Šargin (Jagoda)
Baki Davrak (Orhan)
Hristina Popovic (Djurdja)
Leon Lucev (Mato)
u.a.

drehbuch
Stefan Arsenijevic
Bojan Vuletic

musik
Rastko Colic

kamera
Jelena Stankovic

regie
Bojan Vuletic

produktion
Art & Popcorn
Kinorama
Laokoon Filmgroup
Petit Film
TR9 Film

verleih
Film Kino Text

Kinostart: 11. April 2013