Samstag, 16. Dezember 2017

Dead Man down


Victor und Beatrice beschatten ihr Opfer.
© Wildbunch Germany GmbH

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Mit einem psychologisch komplexen, visuell stimulierenden und vor allem packenden Großstadtthriller gibt der Däne Niels Arden Oplev sein spektakuläres Hollywood-Debüt, nachdem er mit seiner originalen Verfilmung von Stieg Larsson – Verblendung das Kinopublikum weltweit begeistert hatte. An der Seite seiner Lieblingsschauspielerin Noomi Rapace versammelte Oplev für seine aufwühlende Story über Obsession, Rache, Vergeltung, Vergebung und Schicksal Colin Farrell, Dominic Cooper, Terrence Howard und die französische Grande Dame des Kinos - Isabelle Huppert.

Oplev war begeistert von dem Drehbuch, das er sich aus etwa 250 anderen herauspickte: »Da steckt unheimlich viel drin, die Figuren haben eine ungewöhnliche Tiefe, es ist eine fantastische Mischung, die wie gemacht ist für ein großes Publikum, aber auch an künstlerischem Anspruch einiges zu bieten hat. Die Figuren haben nachvollziehbare Emotionen und sind dicht geschrieben. Und zudem behandelt das Drehbuch eines meiner bevorzugten Themen – es geht um die Erlösung des Herzens, die Erlösung deines Schicksals.

In dem Sinne, dass in den Momenten, wenn das Leben am trostlosesten aussieht, am finstersten, jemand oder etwas dir eine zweite Chance geben wird, dich zu rehabilitieren und dein Leben wieder auf Kurs zu bringen. Das trifft für die Geschichte von Victor ebenso zu wie für die Geschichte von Beatrice. Der Zufall will es, dass sie einander kennen lernen, als sich beide sozusagen im ,Herzen der Finsternis’ befinden. Ihr Treffen und all die verrückten Dinge, die sich daraus ergeben, ermöglicht es ihnen, die Dinge wieder zu richten – so gut zu machen, dass sie sich eine zweite Chance verdienen.«

„Selbst ein beschädigtes Herz kann geheilt werden“, sagt Darcy zu seinem besten Freund Victor, während er auf den nächtlichen Straßen von New York zärtlich und liebevoll seinen kleinen Sohn in den Armen wiegt – das Kind ist das Letzte, was ihn noch mit der Mutter verbindet, und er würde es für keinen Preis der Welt aufgeben.

Victor ist der zuverlässigste Mann in der Organisation des New Yorker Unterweltchefs Alphonse, die sich einer unheimlichen Bedrohung ausgesetzt sieht: In regelmäßigen Abständen ermordet ein Unbekannter Mitglieder der Gang und lässt Alphonse rätselhafte Nachrichten zukommen. Für Victors besten Freund Darcy entwickelt sich die Jagd nach dem Killer zur Obsession.

Dann tritt unvermittelt die mysteriöse Französin Beatrice in Victors Leben, die mit ihrer Mutter gegenüber des Apartmenthauses von Victor wohnt. Er kann sich ihrer Anziehungskraft nicht lange widersetzen, realisiert aber, dass Beatrice ihn instrumentalisieren will - für ihre Rache an einem Mann, der ihre Existenz ruiniert hat. Was Beatrice nicht weiß: Auch Victor hat ein Geheimnis, auch er sucht Rache für ein unaussprechliches Verbrechen und ist bereit, dafür alles zu unternehmen...

Oplev entdeckt durchaus Parallelen zwischen Victors Reise und dem Weg, den Lisbeth Salander im Verlauf der „Millennium“-Trilogie zurücklegt: »Ich kann mir nicht vorstellen, Filme über Figuren zu machen, die kein Schicksal haben. Für mich sind das Figuren, die Risiken eingehen oder die in außergewöhnliche Situationen geraten, die ihrem Leben einen neuen Dreh geben.

Ich halte das für ein dramaturgisch überaus faszinierendes und effektives Werkzeug. Schicksal lädt eine Figur mit dem nötigen Geheimnis auf, dass man sich als Zuschauer die Frage stellt, welchen Weg sie auf ihrer Reise einschlagen wird. Man will mit dabei sein. Wenn man sich mit einer Figur oder ihren Anliegen identifiziert, dann ist man auch bereit zu akzeptieren, dass die Figur bisweilen Dinge machen muss, die man eigentlich tief im Innersten ablehnt, um ans Ziel zu kommen.«

Produzent Neil Moritz und Colin Farrell arbeiteten zuletzt in dem Remake von Total Recall zusammen, ebenso auch Kameramann Paul Cameron. Produzent Ori Marmur: »Paul Cameron konnte zu dem Film noch eine weitere entscheidende Ebene beitragen: den umwerfenden und originellen Look des Films, den er gemeinsam mit Niels Arden Oplev entwarf und geradezu perfekt umsetzte. Nun mag unser Film nicht über die Größe und Möglichkeiten einer 100-Mio.-Dollar-Produktion verfügen, aber er sieht allemal danach aus, er hat die richtige Atmosphäre. Gemeinsam mit der großartigen Besetzung lässt er keine Wünsche offen.

Paul kam an Bord und war sofort mit vollem Einsatz dabei, endlich einmal wieder etwas anderes zu machen als bei Total Recall und vergleichbaren Titeln – einen Film, in dem es nicht nur um Computereffekte ging. Was er mit Niels Arden Oplev auf die Beine stellte, war ein wahrhaftiger, cooler Thriller, ein Verweis auf das großartige Kino der Siebzigerjahre.«

Auch über Szenenbildner Niels Seier, mit dem Oplev regelmäßig arbeitet, weiß Marmur zu schwärmen: »Seiers erklärtes Ziel war es, Kulissen zu errichten, die sozusagen in der wahren Landschaft aufgehen. Jede Kulisse, jeder Drehort, jede Straße, in der wir drehten, war im Vorfeld genau durchgeplant worden. Niels Arden Oplev wusste genau, was er wollte, und er wollte sicherstellen, dass man beim Betrachten des Films jeden Raum, jeden Fahrstuhl, jedes Treppenhaus, jedes Café, jedes Warenlager, jedes Büro spannend finden würde. Alles sollte echt aussehen, aber gleichzeitig auch ein wenig überzogen wirken, mit einem gewissen Etwas, sodass man interessiert hinsehen würde.

Man wird nicht nur von der Geschichte gefesselt, sondern auch von der Welt, die Niels erschaffen hat. Das ist sehr aufregend. Dead Man down ist auf diese Weise ein harter, kerniger, emotionaler, manchmal lustiger, manchmal trauriger Film über zwei verletzte Seelen, gespielt von Colin und Noomi, die zueinander finden und allen Umständen zum Trotz mit dem Leben davonkommen.«

Damit ist wahrlich schon genug gesagt über diesen ungewöhnlichen Rachethriller bzw. die ungewöhnliche Liebesgeschichte, die sich darin entwickelt. Es ist ein düsterer, ja auch kalter Film (Colin Farrell trägt stets einen Wollpulli), der jedoch immer wieder ein Fünkchen Licht und Wärme projeziert, was nicht zuletzt den beiden Hauptakteuren zu verdanken ist. ■ mz

7. April 2013
OT: Dead Man down
Thriller
USA 2013
117 min
FSK 16

mit

Colin Farrell (Victor) Florian Halm
Noomi Rapace (Beatrice Louzon) Sandra Schwittau
Terrence Howard (Alphonse Hoyt) Ole Pfennig
Dominic Cooper (Darcy) Stefan Günther
Isabelle Huppert (Maman Louzon)
Luis da Silva jr. (Terry) Jakob Riedl
Stu Bennett (Kilroy) Gerhard Jilka
Franky G (Luco) Matthias Klie
Declan Mulvey (Goff)
F. Murray Abraham (Gregor) Erich Ludwig
Armand Assante (Lon Gordon) Walter von Hauff
Saul Stein (Andras) Crock Krumbiegel
Robert Vataj (Besim) Philipp Brammer
Jennifer Mudge (Florence) Kathrin Simon
Andrew Stewart-Jones (Harry) Thomas Wenke
James Biberi (Ilir) Ekkehardt Belle
u.a.

drehbuch
J.H. Wyman

musik
Jacob Groth

kamera
Paul Cameron

regie
Niels Arden Oplev

produktion
Automatik Entertainment
Frequency Films
IM Global
Original Film
WWE Studios

verleih
Wild Bunch

Kinostart: 4. April 2013