Samstag, 16. Dezember 2017

Der unglaubliche Burt Wonderstone


Anton und Burt während ihrer Glanzzeit...
© Warner Brothers

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Burt Wonderstone - ein Entertainer von Weltklasse, außergewöhnlicher Zauberkünstler, das Idol von Millionen und stets sehr gut gekleidet. Obwohl er das selbst behauptet. »Burt Wonderstone führt sich oft sehr idiotisch auf«, erklärt Steve Carell, der die Rolle des fiktiven Mega-Magiers übernimmt und den Film auch produziert. Burt ist die eine Hälfte des langjährigen Las-Vegas-Power-Duos „Die unglaublichen Burt und Anton“.

Die Zauberkünstler-Superstars Burt Wonderstone und Anton Marvelton beherrschen Las Vegas seit Jahren und scheffeln Millionen, wobei der bombastische Aufwand ihrer zelebrierten Illusionen sehr genau Burts ständig expandierendem Ego entspricht. Aktuell besteht das größte Täuschungsmanöver der beiden allerdings darin, dem Publikum ihre unverbrüchliche Freundschaft vorzugaukeln, denn privat können sie einander schon längst nicht mehr ausstehen.

Casinobesitzer Doug merkt, dass da etwas nicht stimmt. Die beiden Künstler machen dieselbe Show nun seit Ewigkeiten. Die Zuschauer werden immer weniger. Neben dem Zaubererzwist ist der unkonventionelle Straßenzauberer Steve Gray ein Grund dafür. Er schart eine wachsende Kultgemeinde um sich, indem er derart extravagante Tricks präsentiert, dass selbst die Show der Stars dagegen verblasst. Eine letzte Chance bekommen Burt und Anton allerdings noch, um ihre Teamarbeit professionell und privat auf Vordermann zu bringen. Doch dazu müsste Burt sich auf das besinnen, was ihn ursprünglich für die Zauberei begeistert hat.

In Der unglaubliche Burt Wonderstone treffen erneut die Gegner aus Bruce Allmächtig aufeinander: Steve Carell und Jim Carrey spielen diesmal Zaubererrivalen im Kampf um die größte Aufmerksamkeit. Außerdem tritt Carell zum dritten Mal mit Alan Arkin auf. Der spielt hier den einst berühmten Zauberkünstler Rance Holloway, das Vorbild des jungen Burt. Heute ist er ein jähzorniger Rentner, der mit der Branche nichts mehr zu tun haben will. Komische Glanzleistungen liefern auch Steve Buscemi und James Gandolfini, und Olivia Wilde darf ihr Slapsticktalent unter Beweis stellen.

Viele Darsteller und Teammitglieder arbeiteten bei der Vorbereitung mit Zauberkünstlern zusammen. Dazu zählt auch der weltberühmte David Copperfield, der entscheidend an der Produktion mitwirkte und in einem schlitzohrigen Gastauftritt als er selbst zu sehen ist.

Dazu Steve Buscemi: »Mir fiel bei diesen Auftritten auf, dass die Tricks nicht nur unglaublich, sondern auch komisch sind. Diese Jungs verstehen sich als umfassende Entertainer, sie verblüffen uns, bringen uns aber gleichzeitig auch zum Lachen. Es geht nicht nur um Magie, sondern auch um die Präsentation.«

Welche Stadt würde sich besser als Schauplatz dieser Geschichte eignen als das größte und prächtigste Mekka des Entertainment? »Ich finde die Zauberwelt von Las Vegas absolut faszinierend und manchmal auch etwas nervig – eine fantastische Plattform, auf der man sich austoben kann«, sagt Jim Carrey.

Carrey variierte existierende Gags, indem er zum Beispiel Gray in eine menschliche Piñata verwandelt und einen Foltertest auf die Spitze treibt: Statt sich innerhalb von Minuten auf glühenden Kohlen Blasen zuzuziehen, holt er sich eine Decke und kündigt an, dass er auf den Kohlen die Nacht verbringen wird.

Zur Besetzung zählen auch Jay Mohr als Der unglaubwürdige Rick und Michael Bully Herbig als Raubkatzendompteur Lucius Belvedere, Burts und Antons nur selten engagierte Kollegen. Der echte Vegas-Star Brad Garrett spielt Burts „Ich habe dich gewarnt“-Geschäftsführer Dom, und Gillian Jacobs spielt Miranda, eine vom Glamour beeindruckte Freiwillige aus dem Publikum.

Olivia Wilde beschreibt ihre Jane als clever und selbstbewusst, aber ein wenig linkisch, und genau das hat ihr dabei Spaß gemacht. Jane ist die Zauberassistentin par excellence. Sie wurde aus dem Mitarbeiterteam rekrutiert, als Burts und Antons vorige schnuckelige Assistentin während der Pause das Handtuch warf.

»Die Art, wie Jane Hals über Kopf in die Show geschubst wird, erlaubt es mir, das Komische der Situation voll auszuspielen«, erzählt sie. »So etwas habe ich noch nie gemacht. Mir gefällt, dass sie ihr Lampenfieber erst überwinden muss, während sie schon auf der Bühne steht, sie ist nervös, und sie will das lächerliche Glitzerkostüm nicht anziehen, hat aber keine Wahl.«

Jane bewundert Burt seit ihren Kindertagen, er hat in ihr die Begeisterung für die vielen Facetten der Zauberkunst geweckt, und trotz ihrer Enttäuschung verbindet die beiden diese Affinität. »Sie ist entsetzt, als sie merkt, wie faul und selbstgerecht er geworden ist und dass er sein Ziel aus den Augen verloren hat. Dennoch ist sie immer noch überzeugt, dass in ihm ein Genie steckt«, sagt Wilde.

Burt weiß das zu würdigen, denn eine solche Verehrung hat er einst ebenfalls für sein Vorbild gehegt: Rance Holloway war der berühmteste Zauberer der 1960er-Jahre mit seinem gepflegten Umgangston, dem schwarzen Umhang und dem Kaninchen im Zylinder. Er hat den jungen Burt mittels einer alten Videokassette in die Kunst der Illusion eingeführt – Burt spielte sie immer wieder ab, bis er sie in- und auswendig kannte. Persönlich sind sie sich nie begegnet, denn Rance ist nach seiner großen Zeit von der Bildfläche verschwunden. Doch jetzt wartet eine Riesenüberraschung auf Burt.

»Ich arbeite sehr gern mit Steve. Wir werfen uns die Bälle gegenseitig zu«, sagt Alan Arkin. »Dies ist unser dritter gemeinsamer Film. Wir sind inzwischen ein altes Varieté-Team.« Als Zauberkastenlehrer Rance Holloway ist Arkin gleich zweimal zu sehen - in Jung und in Alt. Und beide Male erkennt man ihn erst auf den zweiten Blick... »Rance hat Burt damals dazu gebracht, diesen Lebensweg einzuschlagen. Ich spiele ihn als alten Mann, aber auch als jungen Mann. Ich hoffe also, dass die Computereffekte gut funktionieren!«

In der Szene mit Burts und Antons katastrophalem Auftritt vor aller Augen und in 12 Metern Höhe bekommen die Zuschauer einen spektakulären 360°-Rundum-Eindruck vom Strip, der symbolisch das Ausmaß der Beliebtheit des Duos ausdrückt. Diese Hot-Box-Sequenz war einer der Gründe, warum die Filmemacher das Bally’s Las Vegas Hotel und Casino als Burts und Antons Auftrittsort aussuchten. Das Casino hat nicht nur eine berühmte Geschichte, es bietet mit seinem Gelände und mit seiner strategischen Lage in der Mitte des Boulevards das perfekte Panorama für den luftigen Stunt.

Zwar wurde die Logistik und einige Effekte später in der besser zu kontrollierenden Situation auf dem Studiogelände in Los Angeles ergänzt, aber ein Großteil der Szene wurde vor Ort gedreht. Carell bestätigt: »Steve und ich hängen tatsächlich da oben an einem Drahtseil in einem Glaskasten mit Atemlöchern. Vor der Höhe hatte ich eigentlich gar nicht so viel Angst, aber dass ich direkt durch den Boden der Box in die Tiefe schauen konnte, hat mich fertiggemacht. Ich habe lieber soliden Boden unter den Füßen.«

Jim Carreys Experimente mit den Kostümen und seine Entscheidung für lange, strähnige Haare in zwei Farben, ergaben, dass sich sein Steve Gray in eine etwas andere Richtung entwickelte. Er erklärt: »Ursprünglich wollte ich ihn schnörkellos, eher als Straßenkünstler zeigen. Doch als ich bei einem Make-up-Test die Langhaarperücke ausprobierte, war die Reaktion großartig. Dadurch verändert sich sein Typ, weil das Haar unglaublich viel ausmacht. Ich verkündete: „Dieser Typ hat jetzt also einen Messias-Komplex. Er glaubt, dass er sein Ego besiegt hat und dass er dadurch allen anderen haushoch überlegen ist.“«

Der Film aus der Feder von Bones-FBI-Psychologen John Francis Daley, der im Film auch einen kurzen Gastauftritt hat, und seinem Autorenpartner Jonathan Goldstein ist ein amüsanter Film über Show-Zauberer bzw. -Magier mit der klassischen Hollywood-Läuterung-Szenerie. Das ist nichts Neues und die Gags sind auch nicht so lustig, wie es die Filmemacher gerne gehabt hätten.

Aber immerhin konnte sich Michael Bully Herbig in seiner ersten Hollywood-Rolle begeistern. Die wahren Stars des Films sind auf jeden Fall die Nebenfiguren...Steve Buscemi, Olivia Wilde und Alan Arkin. Sie treiben die Geschichte voran und schaffen Platz für Realität. Man bekommt ansonsten zwar den einen oder anderen Trick mit auf den Weg, doch als Komödie kann der Film nicht so recht das Kaninchen aus dem Hut zaubern. ■ mz

8. April 2013
OT: The Incredible Burt Wonderstone
Komödie
USA 2013
101 min
FSK 12

mit

Steve Carell (Burt Wonderstone) Uwe Büschken
Steve Buscemi (Anton Marvelton) Santiago Ziesmer
Olivia Wilde (Jane) Anja Stadlober
Jim Carrey (Steve Gray) Stefan Fredrich
James Gandolfini (Doug Munny) Roland Hemmo
Alan Arkin (Rance Holloway) Jan Spitzer
Jay Mohr (Der unglaubwürdige Rick)
Michael Bully Herbig (Lucius Belvedere) Michael Bully Herbig
Mason Cook (junger Burt)
Luke Vanek (junger Anton)
Zachary Gordon (Bully)
David Copperfield Peter Flechtner
u.a.

drehbuch
Jonathan M. Goldstein
John Francis Daley
Chad Kultgen
Tyler Mitchell

musik
Lyle Workman

kamera
Matthew Clark

regie
Don Scardino

produktion
New Line Cinema
BenderSpink
Carousel Productions

verleih
Warner Brothers

Kinostart: 4. April 2013