Mittwoch, 13. Dezember 2017

Jack and the Giants


Auf der Lauer: Elmont, Prinzessin Isabelle und Jack
© Warner Brothers/New Line Cinema

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Wie Menschen jeder Altersgruppe in aller Welt wuchs Regisseur und Produzent Bryan Singer mit spannenden Abenteuergeschichten über Gut und Böse, kühne Entdecker und Glücksritter auf, die in Fantasiereichen gegen Urviecher und Monster um ihr Leben kämpfen. Dazu zählt auch die Geschichte, in der ein Junge namens Jack es mit einem gruseligen Riesen aufnimmt, der Jacks Knochen zu Brotteig zermahlen will.

Die Geschichte hat viele Generationen in ihren Bann gezogen. Sie geht mindestens auf das 12. Jahrhundert zurück und ist in zahllosen Kulturen und unter unterschiedlichen Namen bekannt. Die Details haben sich in der Folklore der Länder und durch die mündliche Überlieferung weiterentwickelt, doch immernoch faszinieren uns Heldengeschichten, die unsere geheimsten Ängste formulieren – so wie diese Story.

»Wir erzählen unsere eigene Story frei nach Geschichten wie „Hans und die Bohnenranke“ und dem älteren und düstereren „Jack the Giant Killer“ [dt. Titel der Verfilmung: Der Herrscher von Cornwall], die im Umfeld der König-Artus-Legenden entstanden«, erklärt Singer. »Wir kombinieren Elemente aus beiden Versionen und bringen eigene Aspekte ein, um die Story in einen historischen Kontext zu stellen, und die Figuren mit einer Art überhöhtem Realismus zu dynamischem Leben zu erwecken.«

Und genau das ist der Schwachpunkt in diesem Film. Bis kurz vor Ende sieht man ein Märchen mit unglaublichen Figuren, um dann am Ende in die heutige Zeit katapultiert zu werden, wo eine offensichtliche Fortsetzung stattfinden wird. Als fantastisches Märchen ist der Film ganz in Ordnung, auch wenn die Riesen hinterwäldlerisch blöd und abscheulich dargestellt werden. General Fallons kleiner Kopf erinnert sogar in Aussehen und Verhalten zu sehr an unser aller Herr-der-Ringe-Liebling Gollum, als dass man diese Figur als real betrachten könnte.

Etwas realer ging man da in der Serie Once upon a Time - Es war einmal... heran, in der dieses Märchen ebenfalls adaptiert wurde, dort die Riesen jedoch lediglich als große, bullige Menschen dargestellt werden. Wenn man die reale Gegenwart mit einbezieht, ist genau das der springende Punkt, das „glaubwürdig“ zu finden! Und auch sonst hat der Film nicht viel mit der Realität zu tun, wenn z.B. Jack aus mehreren Metern Höhe auf den Rücken fällt und sich nichts dabei tut.

Klammert man das Ende jedoch aus, ist der Film ein unterhaltsames Märchen um einen Bauernsohn, der auf die Prinzessin trifft, sich in diese verknallt und schließlich in ein Abenteuer um magische Bohnen verwickelt wird, die bewässert Ranken in den Himmel strecken, um unsere Welt mit der der Riesen über den Wolken zu verbinden.

Jahrhundertelang konnten die verbannten Riesen nichts gegen die Erde ausrichten, doch jetzt setzen sie alle Hebel in Bewegung, um ihr einst verlorenes Land zurückzuerobern. Urplötzlich muss sich der junge Jack im Kampf seines Lebens bewähren, denn es gilt, die Riesen um jeden Preis aufzuhalten. Dabei kämpft er nicht nur für König und Vaterland, sondern auch um die Liebe einer tapferen Prinzessin. Bisher hatte er die unüberwindlichen Krieger nur für eine Legende gehalten. Doch als er ihnen nun gegenübersteht, bekommt er die Gelegenheit, selbst eine Legende zu werden.

Der berühmte Filmemacher Bryan Singer (u.a. X-Men-Filme; verwandt mit den Schauspielern Marc Singer und Lori Singer) inszenierte das epische Actionabenteuer in 3D mit Jungstar Nicholas Hoult (About a Boy oder: Der Tag der toten Ente, A single Man, Warm Bodies) als Titelheld.

Ewan McGregor dient diesmal lediglich als schmuckes Beiwerk und kann trotz seiner noblen Versuche, durch ritterliche Erfahrung aufzutrumpfen, nicht gegen das eingearbeitete Charisma des jungen Helden ankommen. Auch Ian McShane, als König mal in einer Rolle als Guter zu sehen, wirkt eher beiläufig banal, auch wenn er sich bemüht. Einzig Stanley Tucci als bösartig-intriganter Zwangsverlobter der Prinzessin, der das legendäre Volk der Riesen aufspüren und ihr Herrscher werden will, vermag den Helden Paroli zu bieten.

»Wenn ihr Roderick nicht auspfeift, habe ich etwas falsch gemacht«, grinst Stanley Tucci, der in dieser reizvollen Rolle schwelgt. »Sein Humor und seine Arroganz waren bereits im Drehbuch abzulesen. Sie sind der Hauptgrund dafür, dass ich die Rolle übernahm. Roderick ist ein übler Schurke, dabei aber urkomisch, und ich glaube, dass er sich selbst witzig findet, außerdem clever und sicher auch attraktiv! Er tut so, als ob er die Sache des Königs unterstützt, ist mit Isabelle verlobt, aber sie ist ihm schnurzegal! Ihm geht es nur um die Macht. Dafür würde er alles tun. Jetzt bekommt er die Chance, sogar noch mächtiger zu werden als der König von Cloister, und er lässt die Prinzessin sofort links liegen, als die wahre Macht in greifbare Nähe rückt.«

Über seine Rolle als liebevoller Vater sagt Ian McShane: »Es war schön, zur Abwechslung einmal einen der Guten, einen wahren Gentleman spielen zu dürfen. Er ist ein gutherziger König, der für sein Volk sorgt, sich um die Sicherheit und das Glück seiner Untertanen bemüht. Ich selbst habe auch eine Tochter und weiß, was er durchmachen muss. Seine Ehefrau hat er bereits verloren. Sie war die große Liebe seines Lebens. Und Isabelle ist alles, was ihm geblieben ist.«

Natürlich waren Computereffekte unabdingbar für das Konzept der Riesen, dennoch sagt Produzent Neil H. Moritz: »Wir legen großen Wert darauf, dass die Riesen nicht nur im Computer entstehen. Sie sollen eigene Charaktereigenschaften bekommen und Gefühle ausdrücken, nachdenken und im Umgang miteinander und mit ihrer menschlichen Beute echte Persönlichkeiten entwickeln. Deshalb haben wir diese Rollen mit großartigen Schauspielern besetzt, die uns eine solche Bandbreite bieten können.«

Im Mittelpunkt steht Bill Nighy als der faktische Anführer, der doppelköpfige General Fallon, den es nach Rache ebenso dürstet, wie er nach seiner Lieblingsspeise hungert: Menschenfleisch. Nighy spielte die Rolle im Motion-Capture-Verfahren und fand die Darstellung des digital animierten Riesen sehr erheiternd. »So kann ich die Rolle sehr real und authentisch spielen, dabei aber auch sehr effektiv über die Stränge schlagen«, bestätigt er. »Es ist schwierig, das Mo-Cap-Verfahren aus der Sicht des Schauspielers zu beschreiben, aber ich finde, dass ich dadurch Freiheiten erhalte, wie sie mir sonst nur selten vergönnt werden. Ich darf dabei richtig abheben.«

Nighy steuerte auch die spezielle Aussprache der Riesen bei: »Bryan stellte sich vor, dass sie sich nicht nur körperlich von allen anderen unterscheiden, sondern auch sprachlich sofort als Gruppe zu erkennen sind, weil sie so lange isoliert gelebt haben. Ich schlug also eine Art nordirischen Akzent vor.«

Um Fallons heisere Stimme zu gewährleisten, verausgabte sich Nighy auf ungewöhnliche Weise, wie Singer berichtet: »Jeden Morgen vor Drehbeginn fuhr er die Fenster seines Autos hoch und schrie 20 Minuten lang, bis er heiser war. Als ich ihn das erste Mal hörte, dachte ich, er wäre krank. Seine Antwort: „Nein, ich habe mir nur im Auto die Seele aus dem Leib gebrüllt, und ich würde beim Vorsprechen gern diese Stimme benutzen – also sag‘ mir, was du davon hältst.“ Meine Antwort: „Wow, ist das nicht ungesund?“«

Die Filmemacher experimentierten mit verschiedenen Größenverhältnissen zwischen Riesen und Menschen und entschieden sich dann für das Verhältnis 4:1. Weniger wäre nicht furchterregend genug gewesen, und mehr hätte das Risiko mit sich gebracht, dass die nötigen Interaktionen nicht mehr funktioniert hätten.

Bei der Koordination der Darstellungen zu einer dynamischen Einheit half das weiterentwickelte Simul-Cam-Verfahren, das ursprünglich für James Camerons Avatar konzipiert wurde. Dabei kann der Regisseur vorher aufgezeichnete Computerbilder auf real gefilmte Sets oder Schauplätze projizieren und so die gesamte Szene komplett am Monitor inszenieren.

Aber Motion-Capture wurde nicht nur bei der Darstellung der Riesen eingesetzt. Auch etliche der Menschendarsteller bewährten sich im Mo-Cap-Studio, das auch „Volume“ genannt wird. Ewan McGregor machte das zum ersten Mal: »Meine Bewegungen wurden aufgezeichnet und digitalisiert, damit ich in Szenen animiert werden konnte, in denen ich extreme Stürze oder Sprünge absolviere. Zum Beispiel werde ich gefilmt, wie ich Anlauf nehme, dann wird mein Flug durch die Luft kreiert und – Schnitt – dann lande ich wieder.«

Und genau solche Szenen passen nicht zum realen Bezug am Ende. Das macht die ganze Sache nur noch „unglaubwürdiger“. Auch sonst ist in Sachen Brutalität ganz schön was los, was den Film für Kinder unter 12 Jahren, dem eigentlichen Zielpublikum, untauglich macht. Und so frage ich mich, für wen der Film eigentlich gedreht wurde? Teenager sehen sich eher Farrelly-Furzkomödien an oder reine Fantasy-Actioner bzw. Teenie-Realfilme an. Jack and the Giants ist dagegen von der Story her eher Kinderkram und von der Darstellung her eher Verdummung. Auch der „eingedeutschte“ Titel (aus „Jack the Giant Slayer“ wird „Jack and the Giants“) ist mal wieder kaum nachvollziehbar. Mir graut es schon vor der Fortsetzung... ■ mz

6. April 2013
OT: Jack the Giant Slayer
Fantasy/Abenteuer
USA 2013
114 min
3D
FSK 12

mit

Nicholas Hoult (Jack)
Eleanor Tomlinson (Isabelle)
Ewan McGregor (Elmont) Philipp Moog
Stanley Tucci (Roderick)
Eddie Marsan (Crawe)
Ewen Bremner (Wicke)
Ian McShane (König Brahmwell)
Christopher Fairbank (Jacks Onkel)
Bill Nighy (General Fallon)
John Kassir (General Fallons kleiner Kopf)
u.a.

drehbuch
Darren Lemke
Christopher McQuarrie
Dan Studney
David Dobkin

musik
John Ottman

kamera
Newton Thomas Sigel

regie
Bryan Singer

produktion
New Line Cinema
Warner Brothers Pictures
Legendary Pictures
Original Film
Big Kid Pictures
Bad Hat Harry

verleih
Warner Brothers

Kinostart: 14. März 2013