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Die Männer der Emden


Ken Duken, Jan Henrik Stahlberg
© Hardy Brackmann/Kinostar

1914, das erste Jahr des ersten Weltkriegs. Der kleine Kreuzer „Emden“ der Kaiserlichen Deutschen Marine hat es in wenigen Monaten geschafft, sich durch List, Taktik und Fairness den Gegnern gegenüber einen guten Ruf bei den Medien zu machen - „Gentlemen of War“ nennen sie selbst britische Zeitungen.

Vor den Cocos Inseln, einem gottverlassenen Atoll im Indischen Ozean, findet der Siegeszug der „Emden“ ein jähes Ende: Der australische Zerstörer „Sydney“ stellt die „Emden“ und versenkt sie. Die Besatzung wird gefangengenommen - bis auf einen Trupp, der auf der Insel die Funkverbindungen zerstören soll. Sie können den Rauch riechen und die Einschläge der Granaten hören. Manche sehen es von Baumwipfeln aus.

Die übrig gebliebenen 52 Männer der „SMS Emden“ wagen das schier Unmögliche: Unter der Leitung ihres KaLeus Hellmuth von Mücke und zwei Offizieren kapern sie ein verrottetes Segelschiff und versuchen, sich nach Deutschland durchzuschlagen - 13.000km über Wasser und Land. Unterwegs verweigert das neutrale, niederländische Sumatra die erbetene Hilfe. Also wieder raus auf die hohe See durch alle feindlichen Linien!

Ein deutsches Handelsschiff wird geentert und zur Tarnung in ein italienisches Schiff umgestrichen. Schließlich gelingt ihnen die Landung an der arabischen Küste. Auf einem gewaltsamen Marsch durch die Wüste schaffen es die Männer, dem berüchtigten Feldherren Lawrence von Arabien aus dem Weg zu gehen, nur um schließlich in einen Hinterhalt räuberischer Beduinen zu geraten. Die ersehnte Heimat scheint auf einmal unerreichbar...

Das Ganze wird natürlich noch mit einer Nebengeschichte erzählt. Wie kann es auch anders sein, buhlen beide Offiziere um die schöne Maria von Plettenberg - darf natürlich in der ARD-Co-Produktion nicht fehlen: Ex-Vorabendgöre Felicitas Woll. Schmollmund hat sich jedoch schon heimlich vorher mit Schönling Overbeck verlobt und lässt von Schulau (hervorragend arrogantes Kameradenschwein!) ins offene Messer laufen, während ihre Schwester mal wieder leer ausgeht.

Während die Männer der „Emden“ also ihren langen Marsch heimwärts anbrechen, müssen Maria und ihre Familie auf Grund des Krieges den chinesischen Heimathafen Tsingtau verlassen und ebenfalls ihre riskante Heimreise antreten. Zunächst noch geschockt, dass ihr heimlich Verlobter gefallen oder gefangengenommen wurde, tut sie sich mit ihrem Gentlemanschleuser Manfred von Manstein zusammen, auch wenn ihr Herz nach wie vor Overbeck gehört. Das ist der Stoff, aus dem Familienserien geschnitzt werden...

Die Geschichte ist sehr interessant und spannend und kann auch als Weihnachtsvierteiler versendet werden. Es ist schon bemerkenswert, was man mit einem geringen Budget alles anstellen kann, ohne billig zu wirken! Berengar Pfahl (Britta, Tanja, Sterne des Südens) produzierte den Film mit seiner Firma in Zusammenarbeit mit der ARD Degeto. Die Männer der Emden ist Pfahls erster Kinofilm seit Shanghai Baby und kommt nach der Kinoauswertung als Zweiteiler ins Fernsehen.

Warum der Film zunächst mit überlänge ins Kino kommt, hat vermutlich finanzielle Gründe, auch wenn ich glaube, dass der Film da nicht so viel einspielen wird, wenn Hollywoods Actionhelden Schwarzenegger und Willis parallel Paroli bieten. Der Film wird zwar mit 110 Minuten fürs Kino angepriesen, doch bei der Pressevorführung nahm der Film zu der Zeit bei Weitem noch kein Ende. Sitzfleisch wird gefordert. Da kann man also getrost auf die TV-Ausstrahlung warten - es sei denn, man möchte die tollen Monumentalaufnahmen in der Wüste im Kino bewundern...

Einen guten Eindruck hinterlassen Ken Duken als Schönling und eigentliche Hauptfigur, der den Film mit Bravour trägt, Jan Henrik Stahlberg als hinterlistiger Egoist, Oliver Korittke als treuer Maat Kluthe, den man einfach ins Herz schließen muss, als auch Sibel Kekilli als Wissenschaftlerin, die die Truppe als Dolmetscherin durch die Wüste begleitet.

Einzig die Hauptfigur, der legendäre Kapitänsleutnant von Mücke scheint mit Sebastian Blomberg fehlbesetzt zu sein. Schon am Anfang, als er beginnt, die Geschichte während einer Zugfahrt zu erzählen, kommen unverhofft Lacher auf Grund seines gebrochenen Akzents auf. Auch als Kommandant kann er nicht so recht überzeugen. Dazu fehlt ihm irgendwie das Autoritäre.

Was aber Pfahl hoch anzurechnen ist, sind die Drehorte: Vor dem griechischen Piräus liegt das Museumsschiff „Averof“, ein gut erhaltenes Kriegsschiff aus jener Zeit, das als Kulisse für enggefasste Szenen auf der „Emden“ diente. Die Blaues-Wasser-Motive fand Pfahl in Sri Lanka, wo das Produktionsteam schon mehrere Filme gedreht hat. Ein riesiger Wassertank von den Ausmaßen mehrerer Fußballfelder bot dem Team in Malta die Möglichkeit, einen Tropensturm mit Wellen, Sturm und Regen auf einem 1:1-Schiffsmodell zu inszenieren. Tozeur und Nefta, kleine tunesische Städte am Rande der Sahara, fügen sich mit ihrer historischen Architektur bestens ins Ausstattungskonzept und boten einen hervorragenden Ausgangspunkt für die Szenen in der unendlichen Wüste. Als Saal im (noch zerstörten) Hohenzollernschloss Potsdams musste schließlich die Wuppertaler Stadthalle herhalten. ■ mz

12. April 2014
OT: Die Männer der Emden
D 2012
Abenteuer/Kriegsfilm/Drama
ca. 145 min/2x 90 min


mit

Sebastian Blomberg (Hellmuth von Mücke)
Ken Duken (Karl Overbeck)
Jan Henrik Stahlberg (Friedrich von Schulau)
Felicitas Woll (Maria von Plettenberg)
Oliver Korittke (Maat Kluthe)
Sibel Kekilli (Salima Bey)
Gerd Wameling (Wilhelm von Plettenberg)
Verena Plangger (Elisabeth von Plettenberg)
Charlotte Sieglin (Wilhelmine von Plettenberg)
Matthias Schloo (Manfred von Manstein)
Peter Sodann (Generaloberst von Leutenburg)
Michael Lott (Matrose Hilgert)
u.a.

drehbuch
Berengar Pfahl
Axel Ricke

musik
Matthias Raue

kamera
Erich Krenek

regie
Berengar Pfahl

produktion
Berengar Pfahl Film
ARD Degeto

verleih
Kinostar

Kinostart: 31. Januar 2013