Samstag, 16. Dezember 2017
Jack Reacher
Tom Cruise, Alexia Fast
© 2012 Paramount Pictures/Karen Ballard

New York Times Bestsellerautor Lee Child erschuf mit Jack Reacher einen der spannendsten Charaktere des Thrillergenres und lehrte in bereits 17 Büchern dem Bösen das Fürchten. Basierend auf dem neunten Buch „Sniper“ bietet die Thrillerlegende Hollywoodikone Tom Cruise eine komplett neue Plattform, um sein Können als Charakterdarsteller unter Beweis zu stellen.

Der Oscar®-prämierte Regisseur und Autor von Die üblichen Verdächtigen und Operation Walküre - Das Stauffenberg-Attentat, Christopher McQuarrie, verfasste auch hier das Drehbuch und inszeniert mit Jack Reacher einen Actionthriller, der das Potenzial zum Kinoklassiker hat. Jack Reacher hat zum großen Sprung auf die Leinwand angesetzt, um auch die Welt des Kinos zu erobern. Und wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, gibt es kein Zurück!

Auf Parkwegen werden bei einem grausamen Massaker fünf Menschen kaltblütig erschossen. Alle Indizien sprechen zweifelsfrei gegen den ehemaligen Armeescharfschützen James Barr. Doch während des Verhörs bringt dieser nur drei Worte über die Lippen: „Holt Jack Reacher!“

Jack Reacher ist ein genialer Ex-Ermittler des Militärs und ein zynischer, unberechenbarer Einzelgänger. Er erscheint nur auf der Bildfläche, wenn er gefunden werden will, und macht im Namen der Gerechtigkeit gnadenlos Jagd auf jene, die unter dem Deckmantel des Gesetzes Menschen töten - so wie im Fall des Verdächtigen James Barr. Dieser hatte während des Golfkriegs vier Menschen ermordet und war lediglich aus politischen Gründen nicht verurteilt worden. Damals hatte Reacher geschworen, ihn dorthin zu bringen, wo er hingehört – hinter Gitter. Doch warum sieht Barr nach der jüngsten Schießerei in seinem erbitterten Erzfeind seine einzige Chance?

Barrs Anwältin, Helen Rodin, ist sich bewusst, dass dieser Fall womöglich ihre letzte Möglichkeit ist, sich vor ihrem Vater, dem knallharten Bezirksstaatsanwalt, zu profilieren. Sie schafft es, Reacher zu überreden, ihr zu helfen, und schon bald finden sich beide in einem Komplott wieder, aus dem es letztlich nur einen Ausweg gibt: die Drahtzieher zu entlarven und dingfest zu machen...also auszuschalten.

Eigentlich hatte der auf der ganzen Welt gelesene Schriftsteller Lee Child, der als Jim Grant 1954 im englischen Coventry geboren wurde, gar nicht vorgehabt, ein Bestsellerautor zu werden. Nach seinem Jurastudium in Sheffield heuerte Child in seiner Heimat Großbritannien bei Granada Television an und verbrachte die nächsten 18 Jahre als Produzent einiger der renommiertesten Shows und Serien (u.a. Für alle Fälle Fitz), während jener Ära, die von Kritikern als „goldenes Zeitalter“ des britischen Fernsehens bezeichnet wird.

Eine Restrukturierung der Firma sorgte dafür, dass Child 1995 auf einmal ohne Job dastand. Also setzte er sich hin und schrieb einen Roman, der schließlich den Titel „Killing Floor“ (dt.: „Größenwahn“) tragen sollte. 1997 wurde sein Debüt veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht eine Figur namens Jack Reacher, die bei den Lesern wie eine Bombe einschlug. 17 Reacher-Romane später ist die Begeisterung Childs, sowie seiner Leser, für diese Figur ungebrochen.

Child erklärt: »Wenn ich zurückblicke und mir die Frage nach Reachers Ursprüngen stelle, dann ist mir klar, dass er ein Ergebnis meiner Lektüre all der Romane ist, die ich im Verlauf der Jahre gelesen hatte. Er ist ein sehr legendärer, auf Mythen beruhender Typ ... wie Robin Hood oder wie der Held in einem Western. Diesen Typ trifft man in allen Epochen der Geschichte – der geheimnisvolle Fremde, der noble Einzelgänger. „Fahrender Ritter“ wird diese Figur von der Literaturkritik genannt. Er ist ein Mann mit Prinzipien, und dennoch ist er dazu verdammt, ruhelos das Land zu bereisen und für Gerechtigkeit zu sorgen.«

Um eine multidimensionale und ikonische Figur wie Reacher zu verkörpern, bedarf es einer ganz besonderen Art der Furchtlosigkeit – nicht nur buchstäblich, denn Reacher geht keiner Konfrontation aus dem Weg, was intensive Stuntarbeit voraussetzt, sondern auch in einem größeren Zusammenhang. Reacher schert sich kaum darum, was andere Menschen von ihm halten. Er ist ein eigenwilliger Held, eine Figur, die zu spielen ziemlich raffiniert ist. Nicht zuletzt, weil Fans der Bücher ihre ganz eigene Vorstellung davon haben, wer und was Reacher ist. Es dürfte also niemanden überraschen, dass es ungefähr sieben Jahre dauerte, nachdem sich Child erstmals mit dem Produzenten Don Granger getroffen hatte, dass aus einer seiner Vorlagen tatsächlich ein Film wurde.

»Zum jetzigen Zeitpunkt muss ich sagen, dass die Dinge, wie sie gelaufen sind, richtig gelaufen sind. Ich bin absolut angetan von dem Film, und ehrlich gesagt habe ich mir zu keinem Zeitpunkt Sorgen gemacht. Ich habe die Rechte an die richtigen Leute verkauft und sie haben ausgezeichnete Arbeit geleistet. Es hat so lange gedauert, weil das gesamte Team absolut versessen darauf war, der Figur und dem Stoff gerecht zu werden. Die lange Wartezeit hat sich ausgezahlt, denn das Ergebnis ist ein massives, vergoldetes A-Listen-Projekt, bei dem hinten und vorn einfach alles stimmt«, lobt der Schriftsteller.

Und da hat er wohl recht. In der Tat gelang Christopher McQuarrie ein Thriller, der völlig anders wirkt als die übliche Hollywoodware. Der Film scheint eher zu antiken Klassikern der 80er und 90er Jahre zu zählen. Er strahlt eine gewisse Ruhe aus, auch wenn es an einigen Stellen heiß her geht. Neben dem sorgfältig adaptierten Drehbuch seinerseits trug auch die Kameraarbeit des Filmveteranen Caleb Deschanel bei.

Der Vater der Schauspielgeschwister Emily und Zooey zeichnete u.a. für Filme wie Der Unbeugsame, Anna und der König, Der Patriot, Die Passion Christi oder auch zuletzt Abraham Lincoln Vampirjäger verantwortlich. Der Oscar®-nominierte Kameramann ließ sich bei seiner Arbeit von legendären Thrillern wie Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123 inspirieren. Deshalb entschied er sich, den Film in anamorphem Breitwandformat zu drehen, wie es seine Vorbilder bevorzugt hatten. Gleichzeitig vermied er alles „Glänzende und Neue“. Das war auch der Grund, warum man sich für Pittsburgh im Bundesstaat Pennsylvania entschied, was dem Film nach Aussagen von Produzent Don Granger „eine industrielle Atmosphäre“ verlieh.

Der Film steht und fällt natürlich mit seiner Titelfigur, gespielt von Tom Cruise. »Reacher ist eine Wahnsinnsfigur«, sagt Cruise. »Er hat kein Handy, er hat keine E-Mail-Adresse. Er ist ein analoger Kerl im digitalen Zeitalter. Er lebt im Verborgenen. Er zahlt immer bar. Die Menschen betrachten das Leben durch das Prisma der Farben ihres Lebens, aber Jack Reacher ist der Mann, der die Dinge einfach macht, die wir uns manchmal nur erträumen. In diesem Sinne ist er ein Dirty Harry, ein James Bond, ein Josey Wales

Cruise sieht dem Jack Reacher, wie er in den Büchern beschrieben wird, nicht im Geringsten ähnlich. Und doch, so sagt Lee Child, verkörperte der Schauspieler Reachers Ethos – und das war ihm wichtiger als äußere Merkmale. Es war auch hilfreich, einen so willigen und für alles zur Verfügung stehenden Partner an der Seite zu haben wie Tom Cruise, der obendrein als Produzent an Bord des Projekts kam. McQuarrie und Cruise hatten davor an Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat gearbeitet und dabei festgestellt, dass ihre Vorstellung von Kino und ihre Leidenschaft für Film ganz ähnlich war: Seither hielten sie fortwährend Kontakt und tauschten sich über Filme aus.

Außerdem teilen sie eine Begeisterung für klassische Autos. Ein klassischer Bestandteil der besten amerikanischen Actionfilme ist die Autoverfolgungsjagd – eines der wenigen Dinge, auf die Jack Reacher (der nicht Auto fährt) nicht vorbereitet ist. Dafür kam einer von neun Chevrolet Chevelles, Baujahr 1970, zum Einsatz, den sich die Produktion für den Dreh in Ohio, Michigan, Pennsylvania und von einem Broker in Connecticut gesichert hatte. Produzent Don Granger erinnert sich an den Tag, »an dem ich vorbeischaute, um zu sehen, wie das Auto lief...

Es gibt einen Parkplatz auf der anderen Seite des Flusses, wo er trainierte – nur er und einer der Stuntfahrer. Tom fuhr also auf und ab und kurvte immerzu um die Hütchen, die als Hindernisse aufgestellt waren. „Komm, steig ein!“, rief er mir zu. Als ich mich in das Auto gesetzt hatte, legte er seinen Fünfpunktgurt an, und ich hatte diesen kleinen Gurt um meinen Schoß. Er machte Powerslides, ließ das Auto im Kreis gleiten, verrückte Sachen – ich wollte einfach nur raus. Das war mir echt zu viel.«

An Cruises Seite ist die bezaubernde Rosamund Pike zu sehen, die, ohne jetzt sexistisch zu klingen, allein schon wegen ihres verführerischen Dekolletés eine Auszeichnung verdient hätte. Pikes Herangehensweise an die emotionalen und intellektuellen Schichten von Helen beeindruckte Tom Cruise nachhaltig. Ihre selbstsichere Darstellung erinnerte ihn an klassische Filmschauspielerinnen: »Sie ist wie Faye Dunaway oder Grace Kelly. Rosamund ist bildschön und besitzt eine Komplexität, eine Intelligenz und einen Zauber, die sie in die Rolle einfließen lässt.

Wir hatten einige echt raffinierte Szenen miteinander, 15 Dialogseiten und ganz viele Handlungselemente und Subtilitäten in unserer Beziehung. Sie ist ein bisschen romantisch, aber nicht allzu sehr, sie zeichnet sich durch Eleganz und ein Element der Überraschung aus. Das meiste wird durch das gesagt, was nicht direkt zwischen ihnen ausgesprochen wird. Sie ist ungemein dynamisch, enorm talentiert, und ich hatte eine wunderbare Arbeitsbeziehung mit ihr.«

Natürlich kreuzt die von Pike gespielte Rechtsanwältin die Pfade eines Bezirksstaatsanwalts, dem sie nicht völlig vertraut – eine Beziehung, die zusätzlich durch den Umstand erschwert wird, dass es sich bei dem Staatsanwalt um ihren Vater handelt. Er wird gespielt von Richard Jenkins. Ihm gefällt die „Achterbahnfahrt“, die in Jack Reacher geboten wird. Er erklärt: »Die Geschichte packt den Zuschauer regelrecht an der Nase und sagt zu ihm: „Ich nehme dich jetzt mit.“ Und man antwortet: „Ich weiß, ich weiß.“ - „Aber nein, das glaubst du nur, du weißt überhaupt nichts“, gibt die Geschichte zurück.

Der Film ist ganz einfach toll erzählt und toll geschrieben. Chris hat sich Wege ausgedacht, jede Figur auf eine andere originelle Weise einzuführen. Das gilt auch für meine Figur. Der Polizeiermittler Emerson steht da und zeigt James Barr, dem Mann, der den Abzug gedrückt haben soll, Fotos des Tatorts. Und Emerson sagt: „Wir haben all die Beweise, die wir brauchen. Unsere Arbeit ist erledigt.“ Dann setzt er sich hin und zeigt auf diese Figur – mich! –, die an der Wand lehnt, und sagt: „Das ist der Staatsanwalt.“ Ich stand da also schon die ganze Zeit, aber man sieht mich zum ersten Mal, als Emerson sich hinsetzt. Chris hat den Film mit Momenten wie diesen angefüllt.«

Dass der Film lang ist, zeigt allein schon dieser Artikel. Er ist jedoch keineswegs langatmig. Er besitzt diese gewisse Art von ständiger unterschwelliger Spannung, die von der offensichtlichen selbigen immer wieder aufgeheizt wird. Dabei nimmt sich der Film oft auch selbst nicht allzu ernst, sei es das Ende der Verfolgungsjagd oder der Showdown mit Werner Herzog, der zwar irgendwie ins Lächerliche verpufft („Der Zec? Was ist das? Ein Name?“), aber dennoch für einen stimmigen Ausklang sorgt, nicht zuletzt dank Robert Duvall. Auch die schmissigen Dialoge können ein wenig den Wind aus der Spannung nehmen, nur um dann von knisternder erotischer Ausstrahlung zwischen den beiden Hauptfiguren wieder aufgeladen zu werden, ohne sich in einer Sexszene zu entladen!

Zum Schluss sei noch David Oyelowo zu erwähnen, den wir zuletzt in George Lucas' Red Tails bewundern konnten. Hier spielt er den ermittelnden Detective, der einen irgendwie von der Ausstrahlung und vom ernsten Schauspiel her an einen gewissen Virgil Tibbs erinnert... Jack Reacher ist nicht nur ein Film für Reacher-Fans, sondern auch für Fans gepflegter Kinounterhaltung, bei der kräftig mitgefiebert werden kann, wer denn nun hinter all dem steckt, wieviel wir denn über Jack Reacher erfahren, und dass wir vor allem am Ende hoffen können, Jack Reacher bald wiederzusehen. ■ mz

16. November 2016

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