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Der Hobbit: Eine unerwartete Reise


Martin Freeman als Bilbo, dahinter James Nesbitt als Bofur, Stephen Hunter als Bombur,
Graham McTavish als Dwalin, William Kircher als Bifur und Jed Brophy als Nori
© 2012 Warner Bros. Ent. All Rights Reserved.
The Hobbit: An Unexpected Journey and The Hobbit, and the names of the
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Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere

Am 21. September 1937 veröffentlichte J.R.R. Tolkien ein Kinderbuch namens „The Hobbit, or There and Back Again“ (Der Hobbit, oder: Hin und wieder zurück). Seit dem Erscheinen ist das Buch über 100 Millionen Mal verkauft und in etwa 50 Sprachen übersetzt worden. In den 75 Jahren ist es niemals vergriffen gewesen. Er schrieb das Buch als Gute-Nacht-Geschichte für seine Kinder, doch der Text zeugt von Tolkiens Begeisterung für die Natur und die Märchen, seine Kriegserfahrungen und seine Verbundenheit mit einfachen Wesen, die sich von schier unüberwindlichen Hindernissen nicht aufhalten lassen.

Im Mittelpunkt steht der Titelheld Bilbo Beutlin, der unversehens an einer epischen Mission teilnehmen muss: Es gilt, dass Zwergenreich Erebor zu befreien, das vor langer Zeit vom Drachen Smaug unterworfen wurde. Überraschend taucht der Zauberer Gandalf bei Bilbo auf, und schon bald begleitet der Hobbit die Gruppe der 13 Zwerge unter der Führung des legendären Kriegers Thorin Eichenschild.

Ihre Reise führt sie in die Wildnis, durch gefährliche Gebiete, in denen es von Orks und tödlichen Wargen nur so wimmelt. Dort begegnen sie auch einer geheimnisvollen und unheimlichen Gestalt, die nur als Nekromant bekannt ist. Ihr Ziel liegt zwar in den östlichen Wüsten des Einsamen Berges, doch zunächst müssen sie aus den Tunneln entkommen, wo Bilbo jenem Wesen begegnet, das sein Leben nachhaltig beeinflussen wird: Gollum.

Hier, allein mit Gollum am Ufer eines unterirdischen Sees, lernt der bescheidene Bilbo Beutlin nicht nur genialen Einfallsreichtum, sondern auch Mut auf eine Art kennen, die sogar ihn überrascht. Und er kommt in den Besitz von Gollums Ring, den dieser „mein Schatz“ nennt und der über unerwartete, nützliche Kräfte verfügt - ein einfacher goldener Ring, der untrennbar mit dem Schicksal von ganz Mittelerde verbunden ist. Doch davon kann Bilbo noch nichts ahnen...

Nach „Der Hobbit“ schrieb Tolkien die drei Bände „Der Herr der Ringe“ – Jackson ging umgekehrt vor. Nach der Ringe-Trilogie geht Regisseur Peter Jackson wie George Lucas damals mit seiner Star Wars-Sage zeitlich zurück und erzählt den eigentlich ersten Teil der Geschichte, der sich 60 Jahre früher zuträgt. Die neue Trilogie beginnt mit Der Hobbit: Eine unerwartete Reise. 2013 folgt dann Teil 2 Der Hobbit - Smaugs Einöde, 2014 dann der 3. Teil Der Hobbit - Die Schlacht der fünf Heere.

Es ist nicht allgemein bekannt, dass der Autor selbst seine Geschichte weiterentwickelt hat. Am Ende veröffentlichte er ausführliche Notizen über die Zeit, in der „Der Hobbit“ spielt, in den 125 Seiten umfassenden Anhängen am Ende von „Der Herr der Ringe“. »In „Der Hobbit“ stellte Tolkien der Welt erstmals seine unglaubliche Mythologie vor – die Welt der Mittelerde«, sagt Philippa Boyens, die eingefleischte Tolkien-Jüngerin im Drehbuchteam.

»Konflikte, Beziehungen und Ereignisse werden angedeutet, aber nicht explizit im Buch beschrieben. Als Tolkien dann die Arbeit an der Fortsetzung begann, aus der „Der Herr der Ringe“ entstand, nahm er sich die Zeit, die Ereignisse im Umfeld von „Der Hobbit“ zu analysieren, weil er das eindeutige Gefühl hatte, dass sich in diesem kleinen Kinderbuch der Samen einer großen Legende verbarg.«

Diese unfassbare Quelle erlaubte den Filmemachern, diese Welt weiter auszubauen und die Geschichte in ihrem Film ausführlicher zu erzählen. Gleichzeitig empfanden sie sich als Bewahrer des Werks, das sie alle schätzen. Und während sie auch finstere Elemente einpflegten, achteten sie doch darauf, dass die Atmosphäre des Buchs nicht verfälscht wird.

»Tolkien hat an „Der Hobbit“ fast sein ganzes Leben lang gearbeitet«, erklärt Peter Jackson. »Er hatte jede Menge Ideen, mit denen er die Story weiter ausschmücken konnte: das Ambiente, die Politik jener Epoche. All das ist in den Anhängen im letzten Band von „Der Herr der Ringe“ enthalten. Wir merkten, dass die Story erweitert werden kann. Dennoch bleibt „Der Hobbit“ so, wie wir ihn alle kennen und lieben. Also gingen wir so vor, dass wir seine Anmerkungen als unseren Bauplan verwendeten. Ich fand es faszinierend, wie sich die relativ unscheinbaren Anfänge zu einem regelrechten Epos entwickeln.«

Außerdem wollten sie die Zuschauer komplett in Mittelerde eintauchen lassen. Erstmals verwendete Jackson die neu entwickelten Digitalkameras, mit denen man 3D-Bilder in der bisher nicht üblichen Zahl von 48 Einzelbildern pro Sekunde aufnehmen kann. In den Kinos wird der Film dann im Format High Frame Rate 3D (HFR 3D) sowie auch in allen Standardformaten gezeigt.

»Die Hobbit-Filme sollen ein optisches Erlebnis bieten, das den Entwicklungsstand von Der Herr der Ringe deutlich übertrifft«, sagt Jackson. »3D hat es vor zehn Jahren in normalen Kinos im Grunde noch nicht so gegeben, wie es heute möglich ist. Und wir haben den Film mit 48fps gedreht – damit ist es der erste Spielfilm, bei dem die aktuelle Hochfrequenztechnik zum Einsatz kommt.«

Und genau das ist des Einen Freud und des Anderen Leid, denn die Bilder sehen nicht nur völlig ungekörnt und glatt aus, man hat auch den Eindruck, besonders bei viel Bewegung im Bild, dass die Bilder auch schneller laufen, wie etwa beim etwas schneller als normal laufenden Video auf Scheibe. Es gibt auch diverse Bildverbesserungstechnolgien bei Computerprogrammen, Abspielgeräten bzw. Fernsehern, die genau denselben Effekt haben - das Bild zu glätten. Dass der filmische Wert, respektive die Filmatmosphäre, dadurch völlig zerstört wird, weil durch die Glättung alles so wirkt, als würde man ein Fernsehspiel sehen, scheint (noch) nicht allen bewusst zu sein.

Bei diesem Film mag diese Technik in manchen Szenen hilfreich sein, doch insbesondere bei großen Landschaftsaufnahmen mit Kameraschwenks sieht man das ganz deutlich, das Bild scheint teilweise auch zu ruckeln. Alles wirkt so unnatürlich. Und doch scheint die Tricktechnik, die Jackson für sein Mittelerde verwendet, derart atemberaubend echt, dass man sich stets fragen muss, was im Computer entstanden ist und was neuseeländische Landschaft. Auch die Details der im Computer entstandenen Figuren und Hintergründe sind unglaublich tief und scharf, dass man aus dem Staunen nicht wieder herauskommt.

Man ist hin- und hergerissen zwischen dem visuellen „Boah“-Effekt und der ein wenig lange brauchenden Geschichte. 15 Hauptfiguren einzuführen, das ist schon ein kleines Kunststück. Die Vollversammlung in Bilbos Erdloch zieht sich dann doch etwas, vor allem durch den ausführlichen Gesang der Zwerge. Man bekommt schon fast Angst, der Film könnte in ein Musical mutieren. Auch das zweite sanfte Zwergenlied, eine Ballade, bringt den Zuschauer eher zum Einschlafen. Und wer weiß, was in der angekündigten 20-25 Minuten längeren DVD/BluRay-Fassung noch an Liedern geträllert wird...

Martin Freeman, dessen Drehplan sich nach dem der britischen Krimiserie Sherlock richtete, in der er Dr. Watson mimt, spielt die titelgebende Hauptrolle in dem dreiteiligen Epos Jacksons und bringt sogar „Sherlock“ höchstpersönlich, Benedict Cumberbatch, mit nach Mittelerde, wo dieser neben der Stimme des Drachens Smaug auch den im 1. Teil angedeuteten Nekromanten spielt, der in den folgenden Filmen eine größere Rolle übernehmen wird.

Aber auch andere Bekannte aus Film und Fernsehen sind im Hobbit zu sehen: Sylvester McCoy, seinerzeit 7. Inkarnation des Doctor Who, spielt auch hier eine ausgeflippte Rolle - den exzentrischen, etwas vergesslichen und leicht abgelenkten Zauberer Radagast der Braune, der „zu viele Pilze gegessen hat“. Auch mit dabei, aber schwer zu erkennen - Dame Edna, auch bekannt unter seinem richtigen Namen Barry Humphries, der den großen Ork spielt, der wiederum eine entfernte Ähnlichkeit zu Jabba aus Star Wars besitzt. Neben den bekannten Stars aus der Herr der Ringe-Trilogie spielen auch namhafte Schauspieler wie Richard Armitage (Spooks - Im Visier des MI5, Captain America: The First Avenger), James Nesbitt (Monroe, Lang lebe Ned Devine!, Bloody Sunday) oder Ken Stott (Toast, Der Krieg des Charlie Wilson, Kleine Morde unter Freunden).

Aber auch Andy Serkis ist wieder als Gollum mit dabei und erweicht die Herzen der Zuschauer mit seinen Zwiegesprächen. Auch die detailliertere Animation der Figur lässt die Emotionen Funken sprühen. Hinzu kommt die Musik von Howard Shore, der bereits für die Herr-der-Ringe-Trilogie verantwortlich zeichnete, was man an den hineingesprenkelten, wiederverwendeten Themen merkt.

Alles in Allem ist die unerwartete Reise des Bilbo Beutlin ein zwar lang erwartetes Kinoereignis, aber auch ein langwieriges. Aber sobald der Film an Fahrt zunimmt, gibt es kaum noch eine Gelegenheit, auf die Toilette zu gehen, ohne etwas zu verpassen. Dass der Film kein Ende hat, ist an der vorgestellten Trilogie zu erkennen. Doch Jackson schafft es, am Ende soviel Ruhe hineinzubringen, dass man in getrost auf die Fortsetzung warten kann. ■ mz

OT: The Hobbit: An unexpected Journey
Abenteuer/Drama/Fantasy/Action
NZ/USA 2014
169 min | 3D


mit
Martin Freeman (Bilbo Beutlin/Bilbo Baggins) Manuel Straube
Ian McKellen (Gandalf) Eckart Dux
Richard Armitage (Thorin) Torben Liebrecht/Tommy Amper (Gesang)
Ken Stott (Balin) Alexander Pelz
Graham McTavish (Dwalin) Tilo Schmitz
William Kircher (Bifur/Tom Troll)
James Nesbitt (Bofur) Michael Lott
Stephen Hunter (Bombur)
Dean O'Gorman (Fili) Tim Knauer
Aidan Turner (Kili) Stefan Günther
John Callen (Oin) Lutz Schnell
Peter Hambleton (Gloin/William Troll) Uli Krohm
Jed Brophy (Nori) Hans-Georg Panczak
Mark Hadlow (Dori/Bert Troll) Tobias Lelle
Adam Brown (Ori) Nic Romm
Elijah Wood (Frodo) Timmo Niesner
Cate Blanchett (Galadriel) Dörte Lyssewski
Hugo Weaving (Elrond) Wolfgang Condrus
Christopher Lee (Saruman) Otto Mellies
Andy Serkis (Gollum) Andreas Fröhlich
Ian Holm (Bilbo alt) Mogens von Gadow
Benedict Cumberbatch (Smaug) Sascha Rotermund
Sylvester McCoy (Radagast) Erich Ludwig
Barry Humphries (Großer Goblin) Hartmut Neugebauer
Lee Pace (Thranduil)
Manu Bennett (Azog)
Stephen Ure (Fimbul, der Jäger)
u.a.

drehbuch
Fran Walsh
Philippa Boyens
Peter Jackson
Guillermo del Toro
nach dem Roman von J.R.R. Tolkien

musik
Howard Shore

kamera
Andrew Lesnie

regie
Peter Jackson

produktion
New Line Cinema
MGM
WingNut Films
3Foot7

verleih
Warner Brothers

Kinostart: 13. Dezember 2012