Samstag, 16. Dezember 2017

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Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt


Keira Knightley, Aleister, Steve Carell
© Universal Pictures
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Lang ist's her, dass ein apokalyptischer Endzeitfilm statt auf Action und Effekte auf Liebe und Herzschmerz gesetzt hat. 1988 war es, wo Anthony Edwards lediglich 24 Stunden bleiben, um zu seiner Angebeteten Mare Winningham zu kommen. In Miracle Mile - Die Nacht der Entscheidung war es ein ausbrechender Nuklearkrieg zwischen den Weltmächten, der Edwards auf eine nächtliche Odyssee schickte.

In dem neuen Abenteuer mit dem umwerfend langen Titel Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt schickt Lorene Scafaria (Nick und Norah - Soundtrack einer Nacht) in ihrem Regiedebüt Steve Carell auf die Suche nach seiner Highschoolflamme. Im Gegensatz zu damals bleiben Carell 21 Tage Zeit, bis ein riesiger Asteroid die Erde zerbersten soll.

Ein riesiger Asteroid von über 100 Kilometern Durchmesser rast der Erde entgegen – und auch der letzte Versuch ihn aufzuhalten ist gescheitert. Ebenfalls gescheitert ist die Ehe des sanftmütigen Versicherungsvertreters Dodge. Die Topnachricht des Tages lautet: In rund 21 Tagen wird die Welt untergehen. Das ist das Stichwort für Dodges Ehefrau Linda: Sie verlässt ihn auf der Stelle.

Dodge ist ein Mann, der sich immer an die Spielregeln gehalten hat. Seine Nachbarin Penny hingegen ist eine extrovertierte junge Frau, die nichts allzu ernst nimmt. Von diesen gegensätzlichen Perspektiven aus behalten beide aber angesichts des nahenden Weltuntergangs zunächst einmal ihre Scheuklappen auf. Dodge lehnt es ab, seine Freunde auf zunehmend wagemutigen Unternehmungen zu begleiten, während Penny sich auf ihre Beziehungsprobleme mit einem selbstbezogenen Musiker fixiert.

Die beiden laufen sich zum ersten Mal über den Weg, nachdem Penny eine harte Nacht hinter sich gebracht hat, zum zweiten Mal dann, als sie Dodge mit Verspätung einen fehlgeleiteten Brief übergibt. Dieser Brief könnte Dodges Zukunft verändern: Geschrieben hat ihn seine Highschoolflamme Olivia, die Liebe seines Lebens.

Als rings um die Wohnanlage aber heftige Unruhen ausbrechen, wird Dodge klar, dass er Olivia aufsuchen muss, bevor es zu spät ist. Penny trifft die Entscheidung, ihre letzten Tage im Kreise ihrer Familie in England zu verbringen. Ganz spontan verspricht Dodge, Penny dabei zu helfen, ihre Familie zu erreichen – wenn sie ihn im Gegenzug in ihrem Auto mitfahren lässt. Sie stimmt zu, und beide entwischen.

Die ungleichen Reisegefährten machen sich auf den Weg und erfahren bei diesem apokalyptischen Roadmovie jede Menge voneinander und über sich selbst. Und schließlich, als das unabdingbare Ende immer näher kommt, müssen sie ihre Pläne überwerfen, denn alles kommt anders als sie es sich vorgestellt hatten...

Wir alle haben uns schon einmal das Ende der Welt vorgestellt, mit all den dazugehörigen Überschwemmungen, Bränden, Erdbeben, Pandemien und dem Asteroiden, der auf die Erde zurast und erst im allerletzten Augenblick durch das heldenhafte Eingreifen des Menschen abgewendet werden kann. Doch das ist nicht das Ende der Welt, wie es Lorene Scafaria sieht.

Beim Schreiben des Drehbuchs zu ihrem Regiedebüt Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt interessierte sie sich weitaus mehr dafür, was in den Tagen vor dem Weltuntergang wohl den Durchschnittsmenschen zustoßen würde und wie sie dabei miteinander interagieren würden.

Mehrere Drehbuchfassungen entstanden, doch die Arbeit wurde unterbrochen und Scafarias Perspektive wandelte sich, nachdem ihr Vater erkrankt und verstorben war. Sie meint: »Ich habe mir sechs Monate frei genommen. Dann ging ich wieder an die Arbeit und habe alles umgeschrieben. Ich habe mich mehr auf den Zeitbegriff konzentriert: Zeit zu haben, Zeit zu verlieren...«

Schließlich erklärt sie: »Es gibt vieles in dieser Geschichte, was mich persönlich widerspiegelt. Von den beiden Hauptdarstellern bin ich wohl eher der Penny-Typ, aber ich trage auch eine kräftige Portion Dodge in mir.« Scafaria vergleicht ihren Hauptdarsteller mit »den Schauspielern, die sowohl in einer Komödie das absolut perfekte Timing liefern, aber auch subtil und ruhig sein können, wie Peter Sellers und Jack Lemmon. Steve kann allein schon mit einem Blick so viel bewirken.«

Steve Carell berichtet: »Ich habe das Drehbuch gelesen und es nicht mehr aus dem Kopf gekriegt. Es hat mich praktisch verfolgt. Es war witzig, liebenswert, emotional manchmal sehr intensiv und handelte von einer Geschichte, die mir so noch nicht begegnet war. Das ist die andere Seite der Medaille von Armageddon: Es gibt keinen Präsidenten mit einer Hotline zu den Astronauten, die den Asteroiden sprengen werden.

Auf der Suche nach einem Freund fürs Ende der Welt handelt von den Dingen, die geschehen, während sich das alles abspielt, davon, wie echte Menschen mit der Situation umgehen, welche Entscheidungen sie treffen wenn sie wissen, dass alles in wenigen Tagen für immer vorbei sein wird.«

»In diesem Film geht es eigentlich, im ganz großen Stil, genau darum: Wie Menschen miteinander in Verbindung treten, oder es zumindest versuchen, wenn sie etwas unfassbar Großem ausgesetzt sind. Das verändert die eigene Sicht auf die Dinge«, meint Carell. Er widmete sich seiner Rolle mit Haut und Haar und meint dazu: »Anfangs will sich Dodge gar nicht mit dem auseinandersetzen, was gerade geschieht; er macht seinen Job einfach weiter.

Als er aber beschließt, seinem bevorstehenden Tod und dem Weltuntergang ins Auge zu blicken, führt ihn das auf eine Pilgerfahrt: Er will seine Jugendliebe Olivia besuchen und wieder Kontakt zu ihr aufnehmen. Er hat sie immer als die Liebe seines Lebens idealisiert, und bevor nun alles den Bach runtergeht, will er mit ihr zusammen sein.«

Carells Ehefrau im richtigen Leben ist Schauspielerin Nancy Carell, die in diesem Film gleich in der allerersten Szene einen unvergesslichen Auftritt an seiner Seite hat: Sie spielt Dodges Ehefrau Linda, die ihn auf der Stelle verlässt, nachdem die Nachricht bestätigt wird, dass die Erde in weniger als einem Monat dem Untergang geweiht ist.

Scafaria erinnert sich: »Da sie sich wunderbar für diese Rolle eignete, habe ich Steves Agent gefragt, ob Steves Ehefrau an der Rolle als Filmehefrau interessiert sei. Insgeheim habe ich mir schon ziemliche Sorgen gemacht, aber Nancy erkannte den Humor darin. Es war die letzte Szene, die wir gedreht haben, und es war an ihrem echten Hochzeitstag, was wiederum toll passte und gleichzeitig total unangemessen war.«

Eine weitere Schlüsselszene über die Art und Weise, wie die Menschen mit dem baldigen Weltuntergang klarkommen (oder auch nicht) ist die Dinnerparty von Dodges engsten Freunden Warren und Diane. Da das Ende naht, ist alles erlaubt - die teuren Zigarren müssen weg, Kinder dürfen rauchen und Whisky trinken und all die übrigen einsamen Herzen wollen (noch) einmal flachgelegt werden. Doch das ungewöhnliche Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zum Weltuntergang ist nichts für Dodge. Er sehnt sich nach mehr.

Dodges Pilgerfahrt beginnt dann sehr unvermittelt, nachdem er und seine ihm eigentlich fremde Nachbarin Penny gezwungenermaßen auf große Fahrt gehen, weil das totale Chaos ausbricht. »Im Film brechen also Unruhen aus, aber die Frage heißt: Wozu? Wogegen? Wofür? Es sollte einem nicht nur Angst einflößen, sondern auch vollkommen lächerlich wirken«, erzählt Produzent Mark Roybal.

Keira Knightley empfand diese Sequenz als sehr wichtig, besonders weil sie als Auslöser für die Entwicklung ihrer Rolle dient: »Penny hat ihr Auto in einer kleinen Lücke geparkt und kommt nicht so einfach wieder raus, also durfte ich all diese anderen Autos anfahren! Ich weiß nicht, ob das Steve Carell so viel Spaß gemacht hat, aber ich fand das einfach toll.«

Carell dazu: »Ich kann dem unkontrollierten Chaos nicht so viel abgewinnen. Aber ich glaube, für Keira war das sehr kathartisch, denn in England sitzt sie nicht oft am Steuer und gibt das auch offen zu. Es war also eine lehrreiche Erfahrung für sie, zu fühlen, wie ein Auto in das andere kracht. Hoffentlich hat sie sich das für den Tag eingeprägt, an dem sie mal wirklich selbst ein Auto fahren muss.«

Noch bevor Dodge und Penny sich als Reisegefährten zusammentun, trifft Dodge auf jemanden, der sein Leben positiv beeinflusst. „Sorry“, steht auf dem Zettel, der am Halsband des Hundes befestigt ist. Der Terrier wurde Dodge buchstäblich ans Bein gebunden, während Dodge nach einem fehlgeschlagenen Selbstmordversuch bewusstlos war. Dodge liest den Zettel und nimmt ihn wörtlich. Von da an nennt er den Hund Sorry.

Während Dodge auf seiner Reise von Sorry begleitet wird, schleppt Penny Vinylplatten aus ihrer heißgeliebten Sammlung mit. Lorene Scafaria meint: »Es schwebt immer diese „Was, wenn...“-Frage im Raum. Was, wenn es mal brennt? Welche Dinge nimmt man schnell mit, wenn man aus der Tür läuft? Was kann man körperlich wirklich mit sich tragen? Dodge fühlt sich da schon für den Hund verantwortlich, doch für Penny haben diese Platten große Bedeutung. Sie hat die Plattensammlung über Jahre hinweg gehegt und gepflegt, zum Teil deswegen, weil das ihre Verbindung zu ihren Eltern sind.«

Damit ist dann auch der Soundtrack des Films gecheckt. Produktionsdesigner Chris Spellman und sein Team mussten nicht lange nach den richtigen Alben suchen, die Keira Knightely mitschleppen sollte: Pennys auf einen Schlag zusammengestellte Auswahl stammt aus Scafarias eigenen Beständen. Ganz bestimmte Songs, Alben und Künstler wurden schon von den ersten Drehbuchversionen an mit eingebaut.

Auf die Frage, welche Platten sie im Falle eines Brandes (oder Schlimmerem) retten würde, sagt die Autorin und Regisseurin: »Lou Reeds „Coney Island Baby“, etwas von Gene Clark, „Pet Sounds“ von den Beach Boys und alle Beatles-Alben.« Und so finden sich z.B. im Film die Talking Heads, INXS, The Beach Boys, The Walker Brothers, The Hollies, Scissor Sisters wieder, bis der Film mit dem nachhaltig in Erinnerung bleibenden, romantischen Burt-Bacharach-Klassiker „This Guy's in Love with you“ endet.

Der Filmtitel sagt eigentlich schon aus, was Romantiker zum Weltuntergang empfinden, was sie verlangen: einen lieben Menschen fest im Arm zu halten, wenn's passiert. Er zeigt aber am Rande auch diejenigen, die sich kurz und schmerzlos umbringen lassen oder ihre „Bucket list“ abarbeiten wollen, die im Luftschutzbunker ihr Glück versuchen, oder auch (was ein skurriler Running Gag im Film ist) diejenigen, die bis zum Ende ihrer täglichen Routine nachgehen, wie es Dodges mexikanische Putzfrau tut.

Bei solchen Endzeitfilmen, bei denen das Ende von Beginn an klar ist, kommt es auf den Zwischenteil an - frei nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Lorene Scafaria hat mit ihren Hauptdarstellern den Jackpot getroffen. Sie tragen den Film auf Samtpfoten, ohne dass etwas unpassend wirkt. Und auch wenn der Film als Komödie deklariert wird, ist er eher ein Endzeit-Liebesdrama mit abstrus-schwarzhumorigen Einlagen. Jeder wird sich irgendwo in einer der vielen Figuren wiederfinden und sich fragen: Was würde ich tun, wenn die Welt untergehen wird...? ■ mz

16. September 2012
OT: Seeking a Friend for the End of the World
Drama
USA 2012
101 min

mit

Steve Carell (Dodge) Uwe Büschken
Keira Knightley (Penny) Dasha Lehmann
Connie Britton (Diane) Sabine Arnhold
Rob Corddry (Warren) Olaf Reichmann
Adam Brody (Owen) Benedikt Gutjahn
Derek Luke (Speck) Björn Schalla
Martin Sheen (Frank) Christian Brückner
T.J. Miller (Darcy) Tommy Morgenstern
Roger Aaron Brown (Alfred) Tobias Lelle
Patton Oswald (Roache) Axel Malzacher
William Petersen (Trucker Glen) Hubertus Bengsch
Gillian Jacobs (Kellnerin Katie) Cathleen Gawlich
Mark Moses (Anchorman)
Aleister (Sorry)
u.a.

drehbuch
Lorene Scafaria

musik
Jonathan Sadoff
Rob Simonsen

kamera
Tim Orr

regie
Lorene Scafaria

produktion
Anonymous Content
Mandate Pictures
Indian Paintbrush

verleih
Universal

Kinostart: 20. September 2012