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Die Tribute von Panem - The Hunger Games


Katniss in der Arena
© StudioCanal/LionsGate
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Die Trilogie „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins zählt zu den größten Buchhits seit „Harry Potter“ und der „Twilight“-Saga. Mit Die Tribute von Panem - The Hunger Games, nach dem preisgekrönten ersten Roman der Erfolgsreihe, inszenierte Regisseur Gary Ross ein mitreißendes Abenteuer, das auch Erwachsene unweigerlich in seinen Bann zieht.

Ross' Wunsch, Katniss' Kampf ums Überleben entsprechend in Bilder umzusetzen, mag für den Regisseur ein unmittelbarer Wunsch gewesen sein, doch er genießt ohnehin den Ruf ein Künstler zu sein, dem es gelingt, die verschiedensten Welten höchst innovativ und so nie zuvor gesehen auf der Leinwand zum Leben zu erwecken.

Alles begann mit seinem Oscar®-nominierten Drehbuch zu Big, einer hintersinnigen Komödie um einen Mann, der sich im Körper eines Jungen wiederfindet. Es folgte, ebenso spektakulär umgesetzt, sein Regiedebüt Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein, zu dem er auch das Skript verfasst hatte, in dem zwei Teenager in einer 50er-Jahre Sitcom landen, ehe er Seabiscuit – Mit dem Willen zum Erfolg in die Kinos brachte.

Willkommen in der harschen Realität der 16-jährigen Katniss Everdeen, die um ihr Überleben kämpfen muss – allein mit Intelligenz und eisernem Willen. Und das in einer Welt, die zugleich hochmodern und apokalyptisch, schillernd, ursprünglich und gefährlich ist. In den Trümmern eines Landes, das man einst als Nordamerika kannte, stehen die alljährlichen Hungerspiele kurz bevor – und Katniss besitzt eigentlich nicht den Hauch einer Chance, diese zu gewinnen.

Wie die meisten Bewohner der Nation Panem lebt Katniss in einem der zwölf versklavten Distrikte, die vom mysteriösen Terrorregime des Kapitols gnadenlos unterdrückt werden. Zur alljährlichen „Ernte“ müssen die einzelnen Distrikte (per Los oder auf Grund einer freiwilligen Nennung) jeweils einen Jungen und ein Mädchen auswählen, die ihre Provinz bei jenem grausamen Spektakel vertreten sollen, das das Kapitol mit seinen krankhaften Vorstellungen als erstklassiges Entertainment ansieht und das obendrein seine totale Kontrolle unter Beweis stellt.

Gleichzeitig will man der unterdrückten Bevölkerung so das Gefühl von Hoffnung geben. Die Veranstaltung kennt man unter dem Namen Hungerspiele – ein Gladiatorenwettkampf mit 24 heranwachsenden Kämpfern, die Tribute heißen. Bei dem Spektakel, das via Fernsehen live übertragen wird, gibt es nur einen Überlebenden. Und in dem Moment, in dem Katniss sich bereit erklärt, daran teilzunehmen, gibt es für sie kein Zurück.

An jenem Tag passiert in Distrikt 12 das Undenkbare: Katniss' kleine Schwester Primrose, auf die sie ihr Leben lang aufgepasst und ernährt hat, wird für die Spiele ausgewählt. In einem aufopferungsvollen, tapferen Schritt beschließt Katniss, an die Stelle ihrer Schwester zu treten – wohl bewusst, dass sie damit ihr eigenes Schicksal besiegelt.

Umgehend werden sie und ihr Mit-Tribut, der Bäckerssohn Peeta Mellark, in Gewahrsam genommen und ins Kapitol gebracht, wo sie neu und glamourös ausgestattet sowie einem rigiden Kampftraining unterworfen werden. Sie müssen sich auf die Auseinandersetzungen mit den sogenannten Karrieretributen, auch Karrieros genannt, vorbereiten, die aus den reicheren Distrikten stammen und sich seit Jahren auf die Spiele vorbereitet haben.

In den darauffolgenden Tagen muss Katniss unter der Anleitung des ewig betrunkenen, ehemaligen Siegers der 50. Hungerspiele, Haymitch Abernathy, ihre Instinkte schärfen, ihre Künste beim Bogenschießen verbessern und ihre Kampftechniken perfektionieren. All das hat nur ein Ziel: Überleben um jeden Preis.

Als Katniss, überraschend Favoritin bei den Hungerspiele, jedoch die bewaldete Arena betritt, erkennt sie, dass hier mehr auf dem Spiel steht als Ruhm, Reichtum und Überleben: Denn sollte sie tatsächlich als Siegerin vom Platz gehen, müsste sie unmögliche Entscheidungen treffen: Darf man die Menschlichkeit ob des Überlebens vergessen? Darf man persönliche Sicherheit über Vertrauen stellen? Und vor allem: Darf man die Liebe dem Leben opfern?

Ross wollte einen berauschenden Mix erschaffen aus Katniss' Frohsinn, Adrenalin, Todesangst und moralischen Dilemmas, die den Kampf der Figuren ums Überleben direkt auf das Publikum übertragen soll. Er wusste, dass die rohen Emotionen und harten Entscheidungen der Charaktere nicht zurückgehalten werden durften.

»Die Schönheit, die Suzanne in ihrem Buch erschaffen hat, musste immer in Ehren gehalten und durfte nicht ausgebeutet oder verändert werden«, fasst Produzentin Nina Jacobson zusammen. »Ihr gelang dies sehr geschickt, Gary wollte dieses Vermächtnis bewahren.« Und diese Darstellung gelang Hauptakteurin Jennifer Lawrence mit Bravour! Sie ist die Handlungsführerin und Sympathieträgerin und beweist erneut, was für eine großartige Schauspielerin sie ist, vor allem, da sie nicht viel agieren musste, was das Überleben in der freien Wildnis betraf.

So wie die Tribute, die sie darstellen, mussten die Schauspieler alle Herausforderungen selbst bewältigen, ob im tiefen Wald bei extremem Wetter schießen oder wilde Bären abwehren – was wenig verwunderlich ist, wurde der Film doch in einer Gegend von North Carolina gedreht, die über die größte Dichte an Schwarzbären in den USA verfügt. Produzent Jon Kilik dazu: »Manchmal hatte man das Gefühl, als würden wir alle an den Spielen teilnehmen. Wir hatten mit Schlangen zu tun, mit Bären und mit Blitzen, das alles kann man spüren, wenn man es auf der Leinwand sieht.«

Für Suzanne Collins besteht das Vermächtnis darin, in jungen Köpfen ein Nachdenken darüber anzuregen, in welche Richtung sich die Zukunft der Welt entwickelt. Gegenüber der New York Times brachte sie ihre Hoffnungen über die Wirkung von „Die Tribute von Panem. Tödliche Spiele“ folgendermaßen zum Ausdruck:

»Es ist wichtig, dass junge Leser sich Gedanken über die Zukunft der Menschheit machen, denn es stehen ihnen viele Herausforderungen bevor. Ich hoffe, sie werden sich überlegen, ob Elemente des Buches für ihr eigenes Leben relevant sein könnten. Ob nun die globale Erwärmung, der Missbrauch an unserer Umwelt, aber auch Fragen wie: „Wie geht es dir bei dem Gedanken, dass manche Menschen ihre nächste Mahlzeit als selbstverständlich ansehen, während so viele andere auf der Welt Hunger leiden?

Was denkst du, welche Entscheidungen deine oder eine andere Regierung auf der Welt in der Vergangenheit und heute treffen sollten? Welches Verhältnis hast du zu Reality-TV im Vergleich zu Nachrichten? Gab es irgendetwas in dem Buch, das dich gestört hat, weil es Teile deines eigenen Lebens reflektierte und wenn ja, wie könntest du damit umgehen?“ Auch wenn du sie nicht selbst geschaffen hast, so bist du doch für diese Punkte verantwortlich und dafür, wie in Zukunft damit verfahren wird.«

Mit fast zweieinhalb Stunden Laufzeit ist der Film relativ lang, aber dennoch nicht langatmig. Es fühlt sich an, als würde man ein Buch lesen, nur halt, dass visuelle Umschreibungen entfallen. Es wurden natürlich auch hier diverse Sachen gegenüber dem Buch geändert, die jedoch unter der Aufsicht der Autorin geschahen. Mit einer Freigabe ab 12 Jahren musste man einen Kompromiss eingehen. Obwohl das Thema grauenhaft und brutal ist, musste jedoch auf Grund der Gedanken anregenden Botschaft des Films das Alter herabgesetzt werden. Im Prinzip ist es schließlich auf dem Schulhof nicht viel anders... Andererseits ist der Film auch nicht ganz so brutal und explizit wie der ähnlich angelegte Running Man mit Arnold Schwarzenegger.

Einziger Kritikpunkt ist die kostümelle Umsetzung. Die knalligen Farben der Kostüme und Makeups scheinen irgendwie eine Antwort auf den Schwarzweißabräumer The Artist zu sein. Die Farben sind so quietschbunt, dass man schon gar nicht mehr hinsehen will oder kann! In dieser Hinsicht hätte ein wenig mehr Zurückhaltung gut getan. Und was das offene Ende betrifft, wird auf die Tatsache hingewiesen, dass es eine Trilogie ist. ■ mz

OT: The Hunger Games
SciFi/Abenteuer
USA 2012
142 min

mit
Jennifer Lawrence (Katniss Everdeen) Maria Koschny
Josh Hutcherson (Peeta Mellark) Ricardo Richter
Alexander Ludwig (Cato) Tobias Müller
Elizabeth Banks (Effie Trinket) Cathlen Gawlich
Woody Harrelson (Haymitch Abernathy) Thomas Nero Wolff
Toby Jones (Claudius Templesmith) Stefan Krause
Liam Hemsworth (Gale Hawthorne) Leonhard Mahlich
Leven Rambin (Glimmer) Dascha Lehmann
Donald Sutherland (Präsident Coriolanus Snow) Jürgen Kluckert
Wes Bentley (Seneca Crane) Philipp Moog
Lenny Kravitz (Cinna)
Isabelle Fuhrman (Clove)
Amandla Stenberg (Rue)
u.a.

drehbuch
Gary Ross
Billy Ray
Suzanne Collins
basierend auf der gleichnamigen Romantrilogie von Suzanne Collins

musik
James Newton Howard

kamera
Tom Stern

regie
Gary Ross

produktion
Color Force
Larger Than Life Productions
Lionsgate
Ludas Productions

verleih
StudioCanal

Kinostart: 22. März 2012