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04 | 11 | 18 | 25
State of Play
Stand der Dinge
Cal McCaffrey, altgedienter Reporter beim Washington Globe, untersucht einen Mordfall mit Drogenhintergrund, eine junge Online-Kollegin den Selbstmord einer Geliebten des Kongressabgeordneten Collins. Als die Fäden ihrer Ermittlungen zusammenlaufen, die Fälle eine Verbindung zeigen, kämpfen zwei Reportergenerationen gemeinsam gegen redaktionellen Zeitdruck und für die Wahrheit hinter einer Kongressanhörung, bei der die Zukunft eines militärischen Sicherheitsdienstes, aber auch von Cals Studienfreund Collins auf dem Spiel stehen
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Der Oscar®-Preisträger Russell Crowe führt als Journalist Cal McAffrey die hochkarätige Besetzung in diesem packenden Thriller an: State of Play - Stand der Dinge ist die Story eines aufstrebenden Abgeordneten und eines erfahrenen Reporters, die beide in Washington in mysteriöse Mordfälle verwickelt werden. Und noch ehe sie „Conspiracy Theory“ auch nur aussprechen können, stehen sie im Mittelpunkt eines Komplotts aus Mord und Bestechung...

„Gute Reporter haben keine Freunde, sie haben nur Quellen.“ - Cal McAffrey

Wenn es in der Politik um Machtinteressen und Einflussnahme geht, treten nicht selten zwei ebenbürtige Gegner in die Arena: einerseits die Politiker, die ihre Macht und ihren Einfluss erhalten wollen, und andererseits die Journalisten, die jene Korruption anprangern, die mit unkontrollierter Machtfülle einhergeht. Was beide Lager verbindet, ist, dass sie sich gegenseitig brauchen. Und in gewissen Kreisen ist Mord, sei es „nur“ Rufmord oder die tatsächliche Beseitigung einer Person, manchmal der kürzeste Weg zum Ziel.

Der ehrgeizige, megacoole und scheinbar nicht aus der Bahn zu werfende Abgeordnete Stephen Collins ist der Hoffnungsträger seiner Partei: Er ist der ehrenwerte Vorsitzende eines Komitees, das die Ausgaben des Verteidigungshaushalts überwacht. Man setzt große Erwartungen in diesen aufstrebenden Stern am Politikhimmel; er soll eine landesweite Führungsrolle übernehmen. Als seine schöne, junge Assistentin auf tragische Weise stirbt, kommen vertuschte Geheimnisse ans Tageslicht.

Der Starreporter des Washington Globe, Cal McAffrey, ein alter Freund von Collins, hat das zweifelhafte Vergnügen, von seiner beinharten Chefredakteurin Cameron Lynne ausgerechnet mit Recherchen zu dieser Story beauftragt zu werden. Während McAffrey und seine neue Mitarbeiterin Della Frye versuchen, die Identität des Mörders aufzudecken, geraten sie beide wechselseitig ins Visier des mutmaßlichen Killers.

Die so unterschiedlich gestrickten Journalisten – McAffrey ganz „alte Schule“, der mühelos Spürsinn und Raffinesse mit Faktentreue und Loyalität zu kombinieren weiß, und Frye, die eher nassforsche mit weiblichem Charme punktende Newcomerin und leidenschaftliche Bloggerin - raufen sich nach anfänglichen Reibereien zusammen und decken schließlich gemeinsam eine ebenso gigantische wie infame Vertuschungsaktion auf, die sämtliche Machtstrukturen des Landes erschüttern könnte.

Neu ist das Konzept des Verschwörungsthrillers wahrlich nicht, kommen einem da doch Filme wie Die drei Tage des Condor oder Die Unbestechlichen ins Gedächtnis. In der Tat ist es ein Leinwandremake der enorm erfolgreichen und von der Kritik gefeierten BBC-Miniserie aus dem Jahre 2003. Produzent Andrew Hauptman, der Autor Paul Abbott von seinem Vorhaben, den Stoff auf die große Leinwand zu bringen, überzeugen konnte, erklärt sein Interesse an diesem Projekt, das eine lange Entwicklungszeit hatte: »Die Originalserie bot eine so hochwertige Vorlage, wie man sie nur selten findet. Es war eine packende Serie, die einen einfach nicht mehr losließ. Sie sprach mich auf so vielen verschiedenen Ebenen an. Ich war davon überzeugt, dass durch die Verlagerung nach Washington, D.C., die Wirkung noch gesteigert und die Mischung noch explosiver, aber genauso intelligent werden würde.«

Allen guten Vorsätzen in Ehren, die Spannung hält sich bei dem Film in Grenzen. Regisseur Kevin Macdonald, der mit The last King of Scotland Erfolge feierte, konnte jedoch genug Esprit des Originals in seinen Film transferieren, dass daraus immerhin ein solider Politkrimi geworden ist, dessen Spannung größtenteils verbaler Natur ist. Russell Crowe kann diesmal sogar seine schauspielerischen Qualitäten entfalten und scheint, seine Traumrolle gefunden zu haben. Er ist dermaßen in seine Rolle des bärbeißigen Topreporters vertieft, dass man ihm diese sogar abkauft und Cal McAffrey sieht, und nicht wie in seinen bisherigen Filmen Russell Crowe in einer Rolle.

Aber auch sonst sind die Figuren perfekt besetzt - Helen Mirren, eine Grande Dame des britischen Kinos, spielt die Chefin, logo. Rachel McAdams hat schon ein paar Filme gedreht, ist aber noch ein wenig grün hinter den Ohren, wie passend für die junge aufstrebende Reporterin. Robin Wright Penn spielt die unglückliche Ehefrau des Politikers, und wir wissen genau, mit wem sie verheiratet ist und in wessen Schatten sie steht. Und Ben Affleck ist doch der passende, hochgelobte Loser für diese Rolle. Seit seinem Faux pas mit Gigli (und später mit Surviving Christmas - ein Film, den man am liebsten wieder vergessen würde) dümpelt er ja mehr oder weniger bekanntlich auf der Indieschiene umher oder versucht mit Hilfe von Filmen wie Smokin' Aces oder Er steht einfach nicht auf dich! beruflich wieder Fuß zu fassen. Aber dafür hat er Jennifer Garner geheiratet.

Doch zurück zum Film. State of Play - Stand der Dinge ist einer der intelligentesten Filme des Jahres und sollte zumindest durch einmaliges Sehen gewürdigt werden. Vielleicht wird ja auch die Serie irgendwann mal wieder ausgestrahlt, damit man einen Vergleich zum Original herstellen kann. Die Schweizer dürfen sich vom 17.-19.6. glücklich schätzen, denn auf SF2 läuft die Miniserie unter dem deutschen Titel Mord auf Seite Eins.

Das ist dann auch die Überleitung zum nächsten Thema. Am 27. Juni startet endlich die zweite Staffel von Life on Mars - Gefangen in den Siebzigern. Dessen Hauptdarsteller John Simm spielte nämlich in Mord auf Seite Eins die Rolle des Cal McAffrey und Philip Glenister die Rolle des ermittelnden Beamten DCI William Bell. Na wenn das kein Zufall ist... ■ mz

Thriller/Drama
USA 2009
127 min


mit
Russell Crowe (Cal McAffrey) Martin Umbach
Rachel McAdams (Della Frye) Ranja Bonalana
Helen Mirren (Cameron Lynne) Karin Buchholz
Ben Affleck (Rep. Stephen Collins) Peter Flechtner
Robin Wright (Anne Collins) Irina von Bentheim
Jason Bateman (Dominic Foy) Tobias Kluckert
Jeff Daniels (Rep. George Fergus) Wolfgang Condrus
Michael Berresse (Robert Bingham) Viktor Neumann
Harry Lennix (Det. Donald Bell) Thomas Petruo
Viola Davis (Dr. Judith Franklin) Heidrun Bartholomäus
Barry Shabaka Henley (Gene Stavitz) Helmut Krauss
Michael Jace (Officer Brown) Charles Rettinghaus
u.a.

drehbuch
Matthew Michael Carnahan
Tony Gilroy
Billy Ray
nach dem Originaldrehbuch von Paul Abbott

musik
Alex Heffes

kamera
Rodrigo Prieto

regie
Kevin Macdonald

produktion
Andell Entertainment
Bevan-Fellner
Relativity Media
Studio Canal
Universal Pictures
Working Title Films

verleih
Universal