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04 | 11 | 18 | 25
Topjob - Showdown im Supermarkt
The Promotion
Doug arbeitet in einem Supermarkt in Chicago, in dem nicht alles zum Besten steht, wie er nicht nur durch die zahlreichen Kundenbeschwerden, die er bearbeiten muss, erkennt. Doch ihn interessiert mehr, alsbald einen besseren Job zu bekommen. Er spekuliert darauf, Filialleiter in einem benachbarten Supermarkt zu werden, und ist sich so sicher, dass er bereits ein Haus gekauft hat. Doch da erscheint plötzlich Konkurrenz auf der Bildfläche. Richard ist mit Frau und Kind extra aus Kanada gekommen und tut alles, um an den gleichen Job zu kommen.
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Gleich voran gestellt sei mir die Bemerkung erlaubt, dass der Titel irreführend ist. Bei dem Film, der im Original The Promotion („Die Beförderung“) betitelt ist, handelt es sich in keinster Weise um eine der sonst so üblichen billigen Slapstickkomödien, bei denen Blut fließt oder Schadenfreude an der Tagesordnung steht. Es ist ein überraschend ruhiger Film, dessen Figuren das wahre Leben widerspiegeln.

Doug Stauber hat es nicht leicht. Mit seinem Gehalt und dem geringen Einkommen seiner Frau können sie zwar gut leben, doch ihr indischer Nachbar, der jeden Abend mit dramatischer Lautstärke seinen Kamasutraübungen fröhnt, treibt sie allmählich in den Wahnsinn. Abhilfe soll ein neuer Supermarkt der Donaldson's-Kette machen, auf dessen Managerposten sich Doug beworben hat. Die Chancen stehen gut, bis eines Tages plötzlich Richard Wehlner dort anfängt. Richard ist mit seiner schottischen Frau und Tochter aus Kanada nach Chicago gekommen. Und da er in Quebec in einer Schwesterfirma von Donaldson's gearbeitet hat, bekommt er ebenfalls die Möglichkeit, sich für die neue Filiale als Leiter zu bewerben.

Doug gefällt das ganz und gar nicht. Gerade jetzt, wo er eine erste Anzahlung auf das neue Haus getätigt hat, in das er und seine Frau einziehen wollen. Wenn er jetzt die Stelle nicht bekommen sollte...?! Richard ist ein total netter Typ, wie alle Kanadier. Doch der ehemalige Rocker einer Motorradgang versucht, seine kanadische Karte innerbetrieblich auszureizen. Und so kommt es wie es kommen musste: Beide versuchen, bei ihrem Chef und dem Vorstand zu punkten, und bemächtigen sichallerlei scheinheiliger, hinterfotziger Mittel, um den Anderen schlechter aussehen zu lassen. Doch schon bald erkennen sie, dass ihre Kanonen nach hinten losgehen. Doug verstrickt sich in Lügen und Richard rastet daheim aus, woraufhin seine Frau samt Tochter eine Heimreise nach Glasgow antritt.

Doch im Gegensatz zu anderen Rivalenkomödien gibt es hier für alle Beteiligten ein Happy End, fast wie im wirklichen Leben. Die Figuren wirken so real wie du und ich und könnten im Supermarkt um die Ecke arbeiten. Wer also denkt, hier eine Klamaukmischung aus American Pie und Stiefbrüder erwarten, die sind hier vollkommen fehl am Platze. Der Film ist mehr Drama als er Komödie sein möchte und zeichnet sich aus durch seine ausgefeilten Details.

»Es ist unglaublich wichtig, dass wir uns in unserem Leben genug Raum geben, um zu wachsen, zu reifen und schließlich der Mensch zu werden, der wir zu sein beabsichtigen«, so beschreibt Autor und Regisseur Steve Conrad den thematischen Kern seines Films. »Das ist nämlich genau das, worum sich die meisten Menschen ihr Leben lang bemühen: eine bessere Version ihrer selbst zu werden.«

Trotz der Einfachheit des Konzepts sind Conrads Charaktere einzigartig und exzentrisch, ohne dabei aber überzeichnet zu wirken. Sie sind beide gleichwertige Figuren, die fast gleich lange im Film zu sehen sind. Es gibt dabei keine klare Abgrenzung, wer nun Protagonist und wer Gegenspieler ist. Produzentin Jessika Goyer erklärt dazu: »Es ist sehr ungewöhnlich, wenn man in einem Film sowohl mit dem Protagonisten als auch seinem Gegenspieler mitfühlen kann und mit beiden die ganze Zeit über mitfiebert. Man wünscht sich wirklich, dass am Ende beide ihr Ziel erreichen.«

Jenna Fischer, die bereits in Walk Hard: Die Dewey Cox Story mit John C. Reilly vor der Kamera stand, harmonisiert diesmal an der Seite von Seann William Scott. Im Gegensatz zu der hochgelobten Chemie zwischen Clive Owen und Julia Roberts in ►Duplicity, kann man hier diese Verbundenheit wenigstens spüren. Jenna Fischer zu ihrer Beziehung im Film: »Wir spielen ein Ehepaar, beide um die dreißig, aber das Faszinierende in diesem Fall ist, dass die Eheprobleme nicht daher kommen, dass der Ehemann untreu ist oder dass er Bindungsängste hätte. Sondern es geht vielmehr darum, dass die beiden ein Team sein wollen, das versucht, in dieser Welt seinen Platz zu finden. Ich glaube jeder weiß wie das ist, wenn man versucht, mit seinem Partner durch das Leben zu steuern und dabei die banalsten Dinge zu überstehen. Steve Conrad> ist es gelungen, die wundervollen lustigen Momente des Alltagslebens einzufangen.«

Neben John C. Reilly ist Lili Taylor als seine Ehefrau Laurie zu sehen, die versucht, ihren mittlerweile zwar nüchternen aber nichtsdestoweniger recht ungewöhnlichen Ehemann zu unterstützen. »Um mit seinen Problemen klarzukommen, wendet Richard dieses spezielle Programm an, bei dem viel Wert auf verbale Motivation gelegt wird. Ich habe dabei die Aufgabe, ihm ständig zu sagen, dass ich ihn liebe oder ihn grundsätzlich mit seinem Nachnamen anzusprechen, um ihn auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.«

Dieses spezielle Programm ist auch einer der kuriosesten Gags des Films. Da läuft Richard durch die Gegend und hört sich dieses Audioprogramm an, bei dem, ähnlich wie bei einer Telefonmailbox, immer wieder der aufgesprochene Name „Richard Wehlner“ eingefügt ist. Das ist dermaßen skurril, dass es sich ins Gehirn einbrennt. Also Topjob - Topfilm, aber Floptitel. ■ mz

Komödie/Drama
USA 2008
86 min


mit
Seann William Scott (Doug Stauber) Björn Schalla
John C. Reilly (Richard Wehlner) Detlef Bierstedt
Jenna Fischer (Jen Stauber) Antje von der Ahe
Lili Taylor (Lori Wehlner) Claudia Urbschat-Mingues
Fred Armisen (Scott Fargas) Bernhard Völger
Gil Bellows (Mitch) Erich Räuker
Bobby Cannavale (Dr. Mark Timms) Dennis Schmidt-Foß
u.a.

drehbuch
Steve Conrad

musik
Alex Wurman

kamera
Lawrence Sher

regie
Steve Conrad

produktion
Dimension Films

verleih
Senator/Wild Bunch