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Public Enemy No. 1 - Todestrieb
L'Ennemi Public n°1
1973. Aus Kanada zurückgekehrt ist der französische Staatsfeind Nummer eins Jacques Mesrine längst lebende Legende, Stoff für die Regenbogenpresse, für die er posiert, der er launige Interviews gibt. Er hat eine neue Geliebte, Sylvie, einen neuen Komplizen, François, und in Kommissar Broussard einen neuen und sehr hartnäckigen Gegner. Er überfällt immer noch Banken, am liebsten gleich zwei hintereinander. Und er bricht wieder spektakulär aus dem Hochsicherheitstrakt aus, doch sieht er sich jetzt als vom Staat verfolgter Rebell.
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Teil 1: Mordinstinkt

Während der erste Teil den Werdegang Mesrines zum „Staatsfeind Nr. 1“ aufzeigte, geht es im 2. Teil um seine Rückkehr nach Frankreich und seine dortigen spektakulären Raubzüge, bis hin zu seinem plötzlichen Fall.

1973. Nach seinen Eskapaden in Frankreich und Kanada ist Jacques Mesrine in seiner Heimat längst eine Legende. Die Grande Nation hält den Atem an. Die Medien haben ihn „Staatsfeind Nr. 1“ getauft. Lustvoll berichten sie von immer tollkühneren Raubzügen und Ausbrüchen aus angeblich hundertprozentig sicheren Gefängnissen, von regelrecht dreisten Spielen mit der Staatsgewalt und der Justiz, denen er nichts als Verachtung entgegenbringt.

Im aufgeladenen Klima der 1970er Jahre sieht sich Mesrine zunehmend als politisch Verfolgter und seine kaltblütigen Verbrechen als Weckruf für die gesamte Gesellschaft. Mit seinem Kompagnon Besse und seiner Geliebten Sylvia foppt Mesrine die Behörden und zieht eine Spur der Zerstörung durch Frankreich. Obwohl er immer öfter brenzligen Situationen im letzten Augenblick entkommt, ahnt der Staatsfeind Nr. 1 nicht, dass sich die Schlinge um seinen Hals langsam immer mehr zusammenzieht. Gnade hat er nicht zu erwarten.

„Der Tod ist eine treue Geliebte, die ihre Liebhaber niemals allein lässt.“ - Jacques Mesrine

Weder die Tragweite seiner Verbrechen, noch die Vielzahl seiner illegalen Aktivitäten noch sein spektakulärer Tod hätten Jacques Mesrine zu solch einer Legende werden lassen können, wenn er nicht den Rückhalt in den Medien gefunden hätte. Sein unstillbares Bedürfnis, für Unterhaltung zu sorgen und in immer wieder neue Verkleidungen zu schlüpfen, hatte eine magische Anziehungskraft auf Journalisten, was ihm ermöglichte, sie für seine Zwecke zu benutzen. In Kanada galt Mesrine bereits seit Ende der 1960er Jahre als Superverbrecher, in Frankreich hingegen kam er erst 1975 zu Berühmtheit.

»Teil zwei ist gehetzter, hat mehrere überlappende Handlungslinien, ist gefilmt eher wie ein Kriegsfilm«, erzählt der Regisseur. »Wenn der zweite Film beginnt, ist er bereits Mesrine, Staatsfeind Nr. 1, ein Mann, der für sein Überleben seine eigene Legende füttert, indem er sich in den Medien darstellt und damit die Menschen für seine Sache gewinnt. In Frankreich mögen wir Typen, die die Traute haben, „Nein“ zu sagen. Frankreich wurde auf Protest errichtet – die Revolution, die Pariser Kommune, Mai '68. Mesrine ist eine Art Anarchist, ein Dissident. Wir mögen diese Typen. Jacques Mesrine ist ein Mann, der nicht in Schubladen gesteckt werden will.«

»Obwohl die beiden Filme die Kontinuität von Mesrines Geschichte mit Respekt behandeln, war uns von Anfang ziemlich klar, dass sie sich grundlegend voneinander unterscheiden und eine eigene Identität besitzen sollten«, erzählt Hauptdarsteller Vincent Cassel. »Jean-François [Richet] setzte beim Dreh völlig verschiedene Techniken ein, es werden auch zwei unterschiedliche Perioden abgedeckt. Die 50er und 60er Jahre lassen sich überhaupt nicht mit den Siebzigern vergleichen. Die Autos sehen anders aus. Das Gleiche gilt für die Frisuren, die Mode, die Musik. Und die Lebensweise ist in besonderem Maße eine andere. Die beiden Filme entwickeln jeweils Themen, die in Konkurrenz zueinander stehen. Teil Eins erzählt von einem jungen Mann auf der Suche nach seiner Identität. Teil Zwei dreht sich um einen Mann, der weiß, wohin seine Entscheidungen ihn führen werden, der sein Leben aber trotzdem nicht ändert. Der erste Film ist beinahe ein Genrefilm, ein Krimi, eine gute Detektivgeschichte. Der zweite Film ist dagegen mehr ein psychologischer Thriller über die Paranoia eines Mannes, der instinktiv weiß, wie sein Leben enden wird.«

Mit diesem Zweiteiler ist Jean-François Richet zweifelsohne ein filmisches Meisterwerk gelungen, das neben einer hochkarätigen Besetzung mit dem Erzählstil eines modernen Actionthrillers aufwartet, der Mesrine so darstellt, wie er wohl gewesen sein mag, ohne ihn definitiv als Helden oder kaltblütigen Mörder zu polarisieren. Der Film beleuchtet alle Facetten dieses widersprüchlichen Mannes, der starb, wie er lebte: schnell, hart und kompromisslos. ■ mz



Der Mesrine-Kalender

1936 Jacques Mesrine wird in Clichy geboren. Seine Eltern kommen aus der Arbeiterklasse. Sein Vater arbeitet in der Spitzenindustrie.

1956 Jacques wird in den Algerienkrieg geschickt, aus dem er drei Jahre später mit einer Bescheinigung anstandslosen Verhaltens zurückkehrt.

1961 Heirat mit Maria de la Soledad in Paris [sie ist die Inspiration für die Figur der Sofia im Film]. Bis zu ihrer Trennung im Jahr 1965 haben sie drei Kinder.

1962 Erste Haftstrafe für Diebstahl.

1966 Er lernt Jeanne Schneider kennen, sein weibliches Pendant, mit der er nach Kanada flieht.

1969 Entführung des Milliardärs Deslauriers in Quebec. Mesrine und Jeanne wird vorgeworfen, einen Hotelangestellten getötet zu haben. Später werden sie für unschuldig erklärt.

1969 Verhaftung von Mesrine und Jeanne Schneider in Texas, Auslieferung an Kanada, Verurteilung zu zehn bzw. 15 Jahren Gefängnis.

1972 Mesrine flieht aus dem Gefängnis Saint-Vincent-de-Paul. 15 Tage später greift er es an, um seine Kompagnons zu befreien. Er wird in Kanada zum Staatsfeind Nr. 1 erklärt. Er raubt mehrere Banken aus, bevor er sich nach Venezuela absetzt.

1972 Rückkehr nach Frankreich.

1973 Erste Verhaftung vor seiner Aufsehen erregenden Flucht aus dem Gerichtssaal von Compiègne, wo er seinen eigenen Richter als Geisel nimmt. Von Kommissar Broussard wird er erneut verhaftet. Mesrine heißt ihn mit Champagner willkommen. Von diesem Moment an wird er auch in Frankreich als Staatsfeind Nr. 1 betrachtet.

1977 Veröffentlichung von „Der Todestrieb“, der Autobiographie, die er im Gefängnis schrieb und zur Veröffentlichung aus dem Knast schmuggeln ließ. Berühmter Prozess in Paris: Durch seine Eskapaden macht Mesrine die Medien auf sich aufmerksam, bevor er zu 20 Jahren verurteilt wird.

1978 Flucht aus dem Pariser Gefängnis La Santé mit seinem Komplizen François Besse. Angriff auf das Kasino von Deauville. Er lernt Sylvia Jeanjacquot kennen, mit der er nach Italien und London reist. Versuchte Entführung des Richters Petit.

1979 Entführung des Milliardärs Lelièvre. Entführung des Journalisten Tillier, den er schwer verletzt zurücklässt. Mesrine ist ein großes Thema in den Medien. Er lässt sich interviewen und fotografieren. Eine eigene Anti-Mesrine-Polizeieinheit wird ins Leben gerufen.

2.11.1979 Mesrine wird mitten in Paris am Place de Clignancourt von Männern von Broussards Einheit erschossen. Seine Freundin Sylvia Jeanjacquot wird schwer verletzt.

Action/Krimi/Drama/Biopic
F 2008
132 min


mit
Vincent Cassel (Jacques Mesrine) David Nathan
Ludivine Sagnier (Sylvie Jeanjacquot) Anne Helm
Mathieu Amalric (François Besse) Olaf Reichmann
Gérard Lanvin (Charly Bauer) Oliver Stritzel
Samuel le Bihan (Michel Ardouin) Michael Iwannek
Olivier Gourmet (Kommissar Broussard) Peter Reinhardt
Michel Duchaussoy (Jacques' Vater)
Myriam Boyer (Jacques' Mutter)
Anne Consigny (Jacques' Anwältin)
Georges Wilson (Henri Lelièvre)
u.a.

drehbuch
Abdel Raouf Dafri
Jean-François Richet
nach der Autobiographie von Jacques Mesrine

musik
Marcus Trumpp
Marco Beltrami

kamera
Robert Gantz

regie
Jean-François Richet

produktion
La Petite Reine
Remstar Productions
Novo RPI
M6 Films

verleih
Senator/Wild Bunch