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The last House on the left
Mari verbringt die Ferien mit ihren Eltern an einem abgelegenen Seehaus. Als sie mit einer Freundin dem jungen Fremden Justin in sein Motelzimmer zum Kiffen folgt, bricht Maris heile Welt zusammen. Die beiden Frauen werden gequält und vergewaltigt. Während ihre Freundin stirbt, kann sich die angeschossene Mari ins Haus ihrer Eltern schleppen. Ausgerechnet dort sucht die Gang unwissentlich Unterschlupf. Als das Ehepaar von dem Gewaltverbrechen an ihrer Tochter erfährt, nehmen sie an den Tätern gnadenlos Rache.
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Ich weiß zwar nicht, ob der Titel in Wes Cravens Original von 1972 eine Bedeutung hatte, in dem Remake 2009 spielt der Titel und das Haus kaum eine Rolle. Es ist die Geschichte eines jungen Mädchens namens Mari, das mit ihren Eltern zu ihrem entlegenen Haus am See fährt, um ein paar schöne Tage zu verbringen. Doch an diesem Tag bricht die Hölle los. Erst verleitet ihre Freundin Paige sie zum Grasrauchen, dann geraten sie an den Schwerverbrecher Krug und seine Kumpanen. Später wird Mari von Krug vergewaltigt, ihre Freundin erschossen und sie selbst landet mit einer Kugel im Wasser. Schwer verletzt kann sie sich zum Haus ihrer Eltern retten, ohne zu ahnen, dass Krug und sein Gefolge bereits im Gästehaus Unterschlupf vor dem Unwetter gefunden haben...

In den fast vier Jahrzehnten seiner Filmkarriere entwickelte sich Wes Craven zu einem kulturellen Phänomen. Mit dem von ihm geschaffenen Klassiker Nightmare - Mörderische Träume gab er dem Horrorgenre 1984 ein neues Gesicht und ein gutes Jahrzehnt später zerlegte er das Genre mit seiner Scream-Trilogie. Diese beiden Horrorreihen haben insgesamt fast eine Milliarde Dollar eingespielt und beweisen sein profundes Verständnis für die oft unbewussten Ängste, die in der menschlichen Psyche toben. Cravens Erfolg auf der Suche nach den Wurzeln des Terrors begann aber 1972 mit seinem ersten Film, dem bahnbrechenden Schocker Das letzte Haus links. Produziert wurde der Film von seinem Horrormeister-Kollegen Sean Cunningham, der später mit seinem unglaublich erfolgreichen Freitag, der 13. selber ein mächtiges Franchise begründete.

In den frühen 70ern war Amerika zerrissen durch den Krieg in Vietnam und die Studentenproteste im eigenen Land. Millionen Menschen waren erschüttert und desillusioniert vom Schlachtengemetzel, das jeden Abend die Fernsehnachrichten füllte. Zudem erkannten die Bürger die Ungerechtigkeiten innerhalb ihrer eigenen Welt. Junge Menschen wehrten sich gegen die herrschenden Zustände und kämpften für Bürgerrechte, Gleichberechtigung der Frauen und Rechte für Homosexuelle. Eine neue Generation von Filmemachern spiegelte das Aufbegehren dieser Zeit und testete die Grenzen gewohnter Kinounterhaltung aus. Zu diesen Filmemachern gehörten auch Craven und Cunningham, die mit stiller Entschlossenheit ihre Arbeit an einem Film aufnahmen, der den Kurs des modernen Thrillerkinos extrem verändern würde.

»Das letzte Haus links ist ein Kind seiner Zeit«, so Craven. »Das Althergebrachte wurde über Bord geworfen, Regeln wurden gebrochen und alle versuchten, die Zensur zu unterwandern oder zu umgehen. Gegen das Establishment zu sein, gehörte für die meisten von uns zum guten Ton. Der Vietnamkrieg war das beherrschende Thema und die eindrucksvollsten Bilder dieser Zeit stammten aus Dokumentarfilmen über diesen Krieg. Mit Das letzte Haus links wollten wir die Gewalt so zeigen, wie wir sie wirklich empfanden. Wir wollten die düstere Schattenseite des Hollywood-Genrefilms zeigen. Wir haben ganz bewusst alle B-Movie-Vorgaben auf den Kopf gestellt.«

Der ins Filmfach gewechselte Geisteswissenschaftler Craven nahm die Inspiration für seinen Film aus Ingmar Bergmans Die Jungfrauenquelle, der wiederum auf der mittelalterlichen Ballade „Töres dotter i Wänge” basiert. Zu seiner Zeit war Das letzte Haus links eine drastische Abkehr von den vorwiegend faden Horrorfilmen der späten 60er und frühen 70er mit ihren verrückten Wissenschaftlern und grausamen Monstern. Die beiden Filmemacher waren sich nicht sicher, ob ihr Low-Budget Film mit seiner kontroversen Geschichte wirklich ein Publikum finden würde. Im Grunde ging es ihnen einfach darum, sich mit einem Spielfilm auszuprobieren.

»Als Sean und ich Das letzte Haus links gemacht haben, dachten wir, dass unser winziger Film gerade mal in ein paar Kinos gezeigt werden würde«, erinnert sich Craven. »Wir dachten, dass niemand diesen Film sehen würde und dass niemand erfahren würde, dass wir diesen Film gemacht haben. Also hatten wir Narrenfreiheit und haben uns gesagt: „Wir zeigen Sachen, die man nie zuvor auf einer Leinwand gesehen hat. Wir überschreiten einfach alle Grenzen und machen, was wir wollen.“«

Sean Cunningham beschreibt das Original als Guerillafilm. Er entstand mit einer winzigen Crew von 15 Leuten und einem Budget unter 100.000 Dollar. Um Geld zu sparen, entstanden die meisten Innenaufnahmen in den Häusern von Familien der Crewmitglieder in Westport, Connecticut: »Die ganze Sache war eigentlich ein Zufallsprodukt. Irgendjemand sagt: „Hey, ich habe eine Idee, lasst uns einen Film machen! Du schreibst, ich produziere, du führst Regie. Ich mache Sandwichs und den Ton.“ Es war alles sehr primitiv - Filmemachen auf Studentenniveau, wie bei einer Schultheaterinszenierung, wo jeder rund um die Uhr arbeitet, um ein Stück auf die Bühne zu bringen. Wir waren einfach nur ein paar Kids, die mit einer Kamera herumprobiert haben.«

Angesichts dieser bescheidenen Ursprünge konnte natürlich niemand damit rechnen, dass der Film zum Kassenerfolg und zum Meilenstein des Thrillerkinos werden würde. Wes Craven kann sich noch gut an das Startwochenende erinnern: »Ich rief bei Sean an, um zu hören, was der Film macht, und er fragte mich, ob ich sitze. Direkt darauf sagte er: „Der Film ist ein Hit, ein echter Kracher, die Leute standen rund um den Block vor den Kinos.“«

Nachdem der Film erfolgreich in den Kinos gelaufen war, wurde er noch Jahre lang an Universitäten und Colleges in Mitternachtsaufführungen gezeigt. Er wurde gewissermaßen zur Mutprobe und zum Einstiegsritual für junge Horrorfans. Der damals noch junge Roger Ebert, Kritiker der Chicago Sun Times beschrieb Das letzte Haus links als »eine kleine, harte und bittere Pille von einem Film, der ungefähr viermal besser als erwartet ist ... einer dieser wenigen Filme, die an der Kinokasse Erfolg haben und trotzdem noch sehr viel mehr erreichen.«

Innerhalb der Filmindustrie wird Cravens „letztes Haus“ von solchen modernen „Splat Pack”-Regisseuren wie Alexandre Aja und Eli Roth immer noch als wegweisender Einfluss auf ihre eigene Ästhetik des Horrors bezeichnet. Und mit dem Remake von Cravens und Cunninghams Meisterwerk können sie ein neues Mitglied in ihrem exklusiven Club willkommen heißen: einen jungen griechischen Regisseur namens Dennis Iliadis. Iliadis' kontroverse Story seines urbanen Liebesthrillers Hardcore über zwei minderjährige Prostituierte in Athen fand auch in Deutschland Anklang und bekam den Independence Award.

The last House on the left ist das zeitgemäße Update des Originals, dessen Vergewaltigungsszene die Zuschauer schockiert und dafür von der FSK keine Jugendfreigabe bekommen hat. Und Garret Dillahunt ist einfach der geborene (Film-)Bösewicht. Ob als russischer Supergangster in der Serie Life oder als maschineller Auftragskiller in Terminator - The Sarah Connor Cronicles - seine großen leeren Augen und seine sanfte Stimme stehen voll im Kontrast zu seinen filmischen Handlungen, was ihn in die Top Ten der alptraumhaftesten Bösewichte katapultiert. Der Film ist nichts für schwache Nerven und psychisch Angeschlagene. Für die korrekte Umsetzung seines Originals bürgt ein Name: Wes Craven. ■ mz

Thriller/Horror
USA 2009
109 min


mit
Sara Paxton (Mari Collingwood) Gabrielle Pietermann
Garret Dillahunt (Krug) Matthias Klie
Aaron Paul (Francis) Alexander Brem
Riki Lindhome (Sadie) Stephanie Kellner
Spencer Treat Clark (Justin) Roman Wolko
Martha MacIsaac (Paige) Jana Kilka
Monica Potter (Emma Collingwood) Madeleine Stolze
Tony Goldwyn (John Collingwood) Crock Krumbiegel
Michael Bowen (Morton)
Joshua Cox (Giles)
u.a.

drehbuch
Adam Alleca
Carl Ellsworth
nach dem gleichnamigen Film von Wes Craven

musik
John Murphy

kamera
Sharone Meir

regie
Dennis Iliadis

produktion
Rogue Pictures
Film Afrika Worldwide
Midnight Entertainment

verleih
Universal